2013-02-28

Ausgewählte Zitate und Aphorismen von Lichtenberg Teil 4








Ehe man tadelt, sollte man immer erst versuchen, ob man nicht entschuldigen kann.



Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.

Wenn Heiraten Frieden stiften können, so sollte man den Großen die Vielweiberei erlauben.

Die Leichenpredigten auf Bücher unterscheiden sich gar sehr von denen auf Menschen. Die letzteren werden gewöhnlich über Verdienst gelobt und die ersteren ausgeschimpft.

Ach! das waren noch gute Zeiten, da ich noch alles glaubte, was ich hörte.

 Ist es nicht sonderbar, daß der Glaube stärker werden kann als die Vernunft? Und ist es nicht die Frage, welches von beiden mehr Recht auf die Leitung unserer Handlungen hat, da sie dieselben gleich stark leiten, wo sie zu herrschen anfangen?

Nichts macht schneller alt, als der immer vorschwebende Gedanke, daß man älter wird. Ich verspüre dieses recht an mir; es gehört mit zum Giftsaugen.

Mit dem Fortschreiten der Menschheit zu größerer Vollkommenheit sieht es traurig aus, wenn man die Analogie alles dessen, was lebt, zu Rate zieht.

Um vergnügt oder vielmehr lustig in der Welt zu sein, wird nur erfordert, daß man alles nur flüchtig ansieht; so wie man nachdenkender wird, wird man auch ernsthafter.

Ich kann bis diese Stunde nicht recht begreifen, warum die kleinen Kinder nicht eben so beständig lachen, als sie beständig weinen.

Ein Mädchen, kaum zwölf Moden alt.

Wie viele Menschen mag wohl die Bibel ernährt haben, Kommentatoren, Buchdrucker und Buchbinder?

Der Hunger und das Elend liegen da gleichsam in Garnison.

Wenn die Fische stumm sind, so sind dafür ihre Verkäuferinnen desto beredter.

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll.

Während man über geheime Sünden öffentlich schreibt, habe ich mir vorgenommen, über öffentliche Sünden heimlich zu schreiben.


Es gibt heutzutage so viele Genies, daß man recht froh sein soll, wenn einem einmal der Himmel ein Kind beschert, das keines ist.

Der Stolz, eine edle Leidenschaft, ist nicht blind gegen eigene Fehler, aber der Hochmut ist es.

Der berühmte witzige Kopf Chamfort pflegte zu sagen: Ich habe drei Klassen von Freunden: Freunde, die mich lieben, Freunde, die sich nicht um mich bekümmern, und Freunde, die mich verabscheuen. Sehr wahr!


Der Mensch kann sich alles geben, sogar Mut, wenn er es recht anfängt, aber es ist freilich besser, wenn man ihn schon mit auf die Welt bringt.

Eine Gleichheit und Freiheit festsetzen, so wie sie sich jetzt viele Menschen gedenken, das hieße ein eilftes Gebot geben, wodurch die übrigen zehn aufgehoben würden.

Ein Gelübde zu tun ist eine größere Sünde, als es zu brechen.

Er schickte mir ein sehr schlecht gedrucktes und geschriebenes Trostgedicht, grade als wenn man Tränen mit Löschpapier trocknen könnte.

Es geht mir mit meiner Gesundheit wie den Müllern zuweilen mit dem Wasser: ich muß immer, wenigstens zwei Tage in der Woche, im Freien sammeln, um die übrigen fünfe mahlen zu können.

Was sehr seltsam ist, bleibt selten lange unerklärt. Das Unerklärliche ist gewöhnlich nicht mehr seltsam, und ist es vielleicht nie gewesen.

Es ist gewiß besser, eine Sache gar nicht studiert zu haben, als oberflächlich. Denn der bloße gesunde Menschenverstand, wenn er eine Sache beurteilen will, schießt nicht so sehr fehl als die halbe Gelehrsamkeit.





Lesen Sie auch:



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de