2013-03-24

Gedichte für das Kabarett Teil 5 Erich Mühsam und Otto Julius Bierbaum








Otto Julius Bierbaum 28.06.1865 Grünberg/Schlesien- 01.02.1910 Dresden



Ein Löffel Suppe

Um einen großen Tisch
Sind wir herumgesessen
Und haben ausgezeichnet
Getrunken und gegessen;
Geistreiche Leute waren auch dabei.
Weiß Gott, da konnte man merken,
Was Witz, und Bosheit sei.
Zu Suppe, Braten, Fisch, Kompott,
Salat und süßer Speise
Maultrommelte Kritik und Spott,
Es reimte Teufel sich auf Gott
In dieser muntern Weise.

Von der Suppe bis zum Schnapse
Saß ich sprachlos da,
Wie getroffen vom Kollapse,
Wußte nicht, wie mir geschah.
Tournedos, Kaviar, Lampreten,
Rindfleisch à la Bordelaise,
Stilton-, Schweizer-, Chesterkäs,
Und dazwischen immer Reden!-:

Bismarck, Harden, Stinde, Goethe,
Wagner, Bungert, Dahn, Homer,
Fledermaus und Zauberflöte,
Ludolf Waldmann, Meyerbeer;
China, Japan, Böcklin, Thumann,
Thoma, Werner, Stuck und Knaus,
Johann, Eduard, Richard Strauß,
Kaiser Wilhelm, Robert Schumann ....
Mahlzeit! Mahlzeit!! Laßt`s mi aus!!!

                       Erich Mühsam 06.04.1874 Berlin- 10.07.1934 Oranienburg

Disput

Es kräht der Hahn auf seinem Mist.
Als Kanzelredner wirkt der Christ.
Auch äußert sich der Atheist.

Der Prediger betet früh und spät.
Der andre glaubt ihm nicht und schmäht.
Der Hahn steht auf dem Mist und kräht.

Der fromme Christ führt Gott im Mund,
Der Atheist den Schweinehund.
Vom Mist der Hahn kräht Stund' um Stund'.

Der Christ hat einen Fluch getan.
Der Atheist denkt: Zahn um Zahn! ....
Ich halt' es mit dem Gockelhahn.
                                                            Kleiner Roman


Sie lernte Stenographin.
Er war Engros-Kommis.
Im Speisewagen traf ihn
ein Blick. Er liebte sie.


Auf einer Haltestelle
brach man die Reise ab,
Woselbst er im Hotelle
sie als sein Weib ausgab.

Nicht viel, daß man sich fragte.
Doch küssten sie genug.
Und als der Morgen tagte,
ging schon der nächste Zug.

Nach einer kurzen Stunde
fand ihre Fahrt den Schluss.
Er nahm von ihrem Munde
noch einen heißen Kuss.

Er sah sie schnupftuchwinkend
noch stehn zum letztenmal,
und in sein Auge blinkend
sich eine Träne stahl.

Er soll sie heut noch lieben.
Sie war so drall und jung.
Ihr ist ein Kind geblieben
und die Erinnerung.

Es stand ein Mann am Siegestor,
der an ein Weib sein Herz verlor.
Schaut sich nach ihr die Augen aus,
in Händen einen Blumenstrauß.
Zwar ist dies nichts Besunderes.
Ich aber – ich bewunder es.







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