2013-03-23

Georg Herwegh Gedichte Teil 2 "Gedichte eines Lebendigen"










Ich möchte hingehn wie das Abendrot
Und wie der Tag in seinen letzten Gluten –
O leichter, sanfter, ungefühlter Tod!
Mich in den Schoß des Ewigen verbluten.

Ich möchte hingehn wie der heitre Stern,
Im vollsten Glanz, in ungeschwächtem Blinken;
So stille und so schmerzlos möchte gern
Ich in des Himmels blaue Tiefen sinken.

Ich möchte hingehn wie der Blume Duft,
Der freudig sich dem schönen Kelch entringet
Und auf dem Fittich blütenschwangrer Luft
Als Weihrauch auf des Herren Altar schwinget.

Ich möchte hingehn wie der Tau im Tal,
Wenn durstig ihm des Morgens Feuer winken;
O wollte Gott, wie ihn der Sonnenstrahl,
Auch meine lebensmüde Seele trinken!

Ich möchte hingehn wie der bange Ton,
Der aus den Saiten einer Harfe dringet,
Und, kaum dem irdischen Metall entflohn,
Ein Wohllaut in des Schöpfers Brust erklinget.

Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot,
Du wirst nicht stille wie der Stern versinken,
Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod,
Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken.

Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur,
Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen,
Sanft stirbt es einzig sich in der Natur,
Das arme Menschenherz muß stückweis brechen.


Auf dem Berge

Da wären sie, der Erde höchste Spitzen!
Doch wo ist der, der einst an sie geglaubt?
Das Auge sieht die Sonne näher blitzen,
Doch arm und sonnenlos ist dieses Haupt.

Ich sehe die granitnen Säulen ragen,
Und endlos wölbt das Blau sich drüber hin;
Doch will das Herz mir tief beklommen schlagen,
Wie unter einem Königsbaldachin.

Hier wollte ich als frommer Parse beten,
Hier singen nach der Sterne reinem Takt,
Hier mit der Donnerstimme des Propheten
Gotttrunken jauchzen in den Katarakt.

Ich wollte – ja, ich habe mich vermessen ,
In diesen Bergen suchen mir mein Glück;
Ich wollte, ach! und konnte nicht vergessen
Die Welt, die ich im Tale ließ zurück.

O, wie verlangt mich nach dem Staub der Straßen,
Dem Druck der Not da unten allzumal!
Wie nach den Feinden selbst, die ich verlassen,
Und nach der Menschheit vollster, tiefster Qual!

Ihr glänzt umsonst, ihr Purpurwolkenstreifen,
Und ladet mich, gleich sel'gen Engeln, ein,
Ich kann den Himmel hier mit Händen greifen
Und möcht' doch lieber auf der Erde sein.


Shelley


 Um seinen Gott sich doppelt schmerzlich mühend,
War er ihm, selbsterrungen, doppelt teuer,
Dem Ewigen war keine Seele treuer,
Kein Glaube je so ungeschwächt und blühend.

Mit allen Pulsen für die Menschheit glühend,
Saß immer mit der Hoffnung er am Steuer;
Wenn er auch zürnte, seines Zornes Feuer
Nur gegen Sklaven und Tyrannen sprühend.

Ein Elfengeist in einem Menschenleibe,
Von der Natur Altar ein reiner Funken,
Und drum für Englands Pöbelsinn die Scheibe;

Ein Herz, vom süßen Duft des Himmels trunken,
Verflucht vom Vater und geliebt vom Weibe,
Zuletzt ein Stern im wilden Meer versunken.

Hölderlin

Den Klugen leiten sicher stets die Horen,
Nur mit dem Genius spielen oft die Winde;
Daß er, so Glück wie Unglück, früher finde,
Wird er mit Schwingen in die Welt geboren.

Doch bleibt ihm treu die Gottheit zugeschworen;
Sie legt am bösen Tag dem armen Kinde
Mit weicher Hand ums Aug' des Wahnsinns Binde,
Daß es nie sehe, was das Herz verloren.

Die Götter haben freundlich dein gedacht,
Die du so fromm gehalten einst in Ehren,
Und lebend schon dich aus der Welt gebracht.

Nichts Irdisches kann fürder dich versehren,
Und reiner, denn ein Stern zum Schoß der Nacht,
Wirst du zurück zur großen Mutter kehren.








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de