2013-04-23

Politische deutsche Gedichte Teil 9 Hoffmann von Fallersleben Teil 5 (Unpolitische Lieder)






August Heinrich Hoffmann von Fallersleben-Unpolitische Lieder (Auswahl)




Aus dem 2. Band/ Montag und Dienstag



Montag


Die Interessen

 Mit jedem neuen Anlehn mehret

Der Staat nun seine Schulden zwar,
Doch wird er immer mehr geehret
Und mehr geliebt von Jahr zu Jahr.

Das lassen wir uns gern gefallen –

Der Staat ist ja ein gutes Haus,
So lang' er immerfort uns allen
Die Zinsen zahlet richtig aus.

Doch sollte sich dies Haus nicht halten

Und macht es auch einmal Bankrott,
Dann wird die Liebe schnell erkalten,
Ade, o Staat, dir gnade Gott!

Versprich das Weltall in Dekreten,

Du fängst kein Untertanenherz;
Hast du nicht Taschen voll Moneten,
So dreht dir jeder zu den Sterz.
Polizei, Geld und Wetter

 Freier Mensch mit göttlichen Entwürfen,

Voll von hohen himmlischen Ideen,
Aus dem Born der Schöpfung kannst du schlürfen,
Und ins Angesicht der Gottheit sehn.
Aber ohne Paß, da bist du kaum ein Tier,
Freier Mensch, es tauscht kein Hund mit dir.

Freier Mensch voll hoher Gottesgaben,

Kannst du alles hören, alles sehn,
Kannst genießen alles, alles haben,
Darfst nicht unbefriedigt weiter gehn.
Aber ohne Geld, du giebst es selber zu,
Freier Mensch, ein Schaf ist mehr als du.

Freier Mensch, setz auf die Pudelmütze,

Daß dich Kopfweh nicht und Zahnschmerz plagt;
Nimm den Schirm, er ist dir heute nütze,
Weil das Wetter doch nach dir nicht fragt;
Denn das Wetter ist wie Geld und Polizei,
Freier Mensch, leb wohl! und werd' erst – frei!
Offizielle Volkssouveränität

Polizeilich ist erlaubt,
Alles zu verschnapsen;
Keinem wehrt man überhaupt,
Durch die Welt zu tapsen.

Lieber hat man doch, daß sie

Wie das Vieh verdummen,
Denn es kann das liebe Vieh
Höchstens etwas brummen.

Legten Ochs und Esel sich

Auf das Räsonnieren,
Ließe man gelegentlich
Sie auch arretieren.
Partus monstrosus vulgaris Lin

Es giebt im menschlichen Geschlechte

Für Mißgeburten keine Rechte,
Und dennoch hat der Frack ein Recht:
Wer wäre nicht des Frackes Knecht?

Wie könnt ihr je von Freiheit träumen,

Wollt ihr dem Frack ein Recht einräumen!
Erfahrt's, wenn ihr's noch nicht erfuhrt:
Der Frack ist eine Mißgeburt.
Dienstag

Was ist denn zollfrei?


Besteuert ist die ganze Welt

Und alles drum und dran:
Gewerbe, Handel, Gut und Geld,
Weg, Wasser, Weib und Mann.
Wem wäre nicht das Leben teuer,
Wofür man zahlt so manche Steuer?

Besteuert ist der Bissen Brot,

Den man im Schweiß gewinnt!
Besteuert ist sogar der Tod,
Weil wir am Ziele sind.
Nur zu erzeugen unsers Gleichen
Ist frei den Armen und den Reichen.
Krebsgang

Ihr passet recht zu unsern Zeiten,

Und wisset was uns nützt und frommt!
Ihr werdet immer rückwärts schreiten,
Bis ihr zur Schlacht von Jena kommt.

Doch, lieben Leute, laßt euch sagen:

Erreicht ihr wieder euren Zweck,
Ihr werdet wiederum geschlagen,
Und Staat und Kirche liegt im Dreck.
Petitionsrecht

Das Beten und das Bitten ist erlaubt,

Ja, und erlaubt ist Alles überhaupt,
Was niemals nützt den armen Untertanen.
Wenn wir an ein Versprechen etwa mahnen,
Gesetzlich bitten, was wir fordern können,
Da will man uns das Bitten auch nicht gönnen,
Man weist uns ab mit kaltem Hohn zuletzt:
Ihr habt die Form verletzt.

Der Herr der Welten höret unser Flehn,

Er naht und ist bereit uns beizustehn,
Er fordert was wir bitten kaum noch wollten,
Erfüllt was wir nach Recht verlangen sollten.
Zu jenen, die ihr heiligstes Versprechen
Gebrochen haben und noch heute brechen,
Spricht er ein allerhöchstes Wort zuletzt:
Ihr habt das Recht verletzt





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