2013-06-19

Deutsche Gedichte zum Thema Herz Teil 3




Hoffmann von Fallersleben

O glücklich, wer ein Herz gefunden

O glücklich, wer ein Herz gefunden,
das nur in Liebe denkt und sinnt,
und mit der Liebe treu verbunden
sein schönres Leben erst beginnt!

Wo liebend sich zwei Herzen einen,
nur eins zu sein in Freud und Leid,
da muß des Himmels Sonne scheinen
und heiter lächeln jede Zeit.

Die Liebe, nur die Lieb´ist Leben!
Kannst du dein Herz der Liebe weihn?
So hat dir Gott genug gegeben,
Heil dir! Die ganze Welt ist dein!
Justinus Kerner

Der Ritz durchs Herz

 Wohl frißt manch tiefe Wunden
Ins Herz der bittre Schmerz,
Doch hab' ich auch gefunden,
Daß kann ein Riß geschehen
Durchs ganze, ganze, Herz.

Die tiefste Wunde heilet,
Schmerzt sie auch noch so sehr,
Ein Riß doch, der zerteilet
Das Herz auf einmal gänzlich,
Der heilet nimmermehr.

O stellte, so zerrissen,
Das Herz die Schläge ein!
Doch Menschenherzen müssen,
Wenn auch zerrissen, lange
Noch schmerzlich zuckend sein.
Luise Büchner

»Warum o armes Herz«

 Warum, o armes Herz,
Willst du so tief versenken
Dich in Erinnerungsschmerz,
Und weinend nur gedenken
An Alles, was du je
Geliebet und besessen,
Kannst der Enttäuschung Weh
Denn niemals du vergessen?

O, sieh auf's Leben frei,
Als wär' es eine Bühne:
Am bunten Mancherlei
Zu freuen dich erkühne;
Warum willst du allein
Die Treue stets bewahren?
Mach' es wie Andre fein,
Lass' hin, lass' hin sie fahren!

Pflück' heute dieses Blatt,
Und jene Blume morgen,
Und bist du ihrer satt,
Dann wirf' sie ohne Sorgen[
Hinweg, so hat man dich
Ja weise auch belehret –
Ein Thor nur fraget sich,
Ob er ein Herz verheeret!

Genieße, spricht die Welt,
Genieße rasch das Neue,
Wenn's nicht mehr dir gefällt,
Geh' von ihm ohne Reue!
Und wahrlich, sie hat Recht,
Drum werde klug mein Herze –
Sei wen'ger warm und ächt,
Verlache und verschmerze!
Gottfried Keller

Geübtes Herz

Weise nicht von dir mein schlichtes Herz,
Weil es schon so viel geliebet!
Einer Geige gleicht es, die geübet
Lang ein Meister unter Lust und Schmerz.

Und je länger er darauf gespielt,
Stieg ihr Wert zum höchsten Preise;
Denn sie tönt mit sichrer Kraft die Weise,
Die ein Kundiger ihren Saiten stiehlt.

Also spielte manche Meisterin
In mein Herz die rechte Seele;
Nun ist's wert, daß man es dir empfehle,
Lasse nicht den köstlichen Gewinn!

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