2013-07-28

Aus des Knaben Wunderhorn 3.Band (2)





Reit du und der Teufel

Der Schiffmann fährt zum Lande,
Wem läutet man so sehr?
Wem singt man also sanfte,
Zu seiner letzten Ehr?

Die Jungfern sieht er heben
Wohl einen schönen Kranz,
Zum Sterben oder Leben,
Es war ein schwerer Gang.

Der Gang der war so schwere,
Zu seiner Liebsten Haus;
Ob sie gestorben wäre,
Oder eins andern Braut.

Er fand sie auf dem Kämmerlein,
Da sie die Haar aufbund;
Gott grüß dich, o mein Engelein,
Daß ich dich seh gesund.

Ich hab mir lassen sagen,
Du nähmst den Bändersknab;
So gieb du mir die Treuheit,
Die ich dir geben hab.

Ich weiß von keiner Treuheit,
Ich weiß von keinem Geld;
Der Reiter soll mich holen,
Wenn ich von Treuheit weiß.

Da stehts an bis den dritten Tag,
Als da die Hochzeit war,
Da kam ein stolzer Reiter,
Der setzt sich oben an.

»Nun eßt und trinkt ihr Jungfern,
Ich kann nicht fröhlich seyn.«
Trompeten und Schalmeyen
Die gehen insgemein.

Das erste, das er thäte,
Den Tanz wohl mit der Braut;
Er schwenkt sie dreimal r'umme,
Damit zur Thür' hinaus.

Sie kamen über ein' Haide,
Ein Land, es war wohl breit.
Der Hals war ihr zerbrochen,
Die Seel war eigen sein.
Der verschwundene Stern

Es stand ein Sternlein am Himmel,
Ein Sternlein guter Art;
Das thät so lieblich scheinen,
So lieblich und so zart.

Ich wußte seine Stelle
Am Himmel, wo es stand;
Trat Abends vor die Schwelle
Und suchte bis ichs fand.

Und blieb dann lange stehen,
Hat grosse Freud in mir;
Das Sternlein anzusehen,
Und dankte Gott dafür.

Das Sternlein ist verschwunden,
Ich suche hin und her;
Wo ich es sonst gefunden,
Und find es nun nicht mehr.
Hochzeit

 Ermuntert euch ihr Frommen,
Zeigt eurer Lampen Schein;
Der Abend ist gekommen,
Die finstre Nacht bricht ein.
Es hat sich aufgemachet
Der Bräutigam mit Pracht;
Auf! betet, kämpft und wachet,
Bald ist es Mitternacht.

Macht eure Lampen fertig,
Und füllet sie mit Oehl;
Seyd nun des Heils gewärtig,
Bereitet Leib und Seel!
Die Wächter Zions schreien,
Der Bräutigam ist nah,
Begegnet ihm im Reihen,
Und singt Halleluja.

Ihr klugen Jungfraun alle
Hebt nun das Haupt empor,
Mit Jauchzen und mit Schalle
Zum frohen Engelchor.
Die Thür ist aufgeschlossen,
Die Hochzeit ist bereit,
Auf! auf ihr Reichsgenossen,
Der Bräutgam ist nicht weit.

Er wird nicht lang verziehen,
Drum schlaft nicht wieder ein;
Man sieht die Bäume blühen
Der schöne Frühlingsschein
Verheißt Erquikungszeiten,
Die Morgenröthe zeigt
Den schönen Tag von weiten
Vor dem das Dunkle weicht.

Wer wollte denn nun schlafen?
Wer klug ist, der ist wach;
Gott kommt, die Welt zu strafen,
Zu üben Grimm und Rach
An allen, die nicht wachen,
Und die des Thieres Bild
Anbeten, sammt dem Drachen:
Drum auf, der Löwe brüllt.

Begegnet ihm auf Erden,
Ihr, die ihr Zion liebt,
Mit freudigen Geberden,
Und seyd nicht mehr betrübt!
Es sind die Freudenstunden
Gekommen und der Braut
Wird, weil sie überwunden,
Die Krone nun vertraut.

Hier sind die Siegespalmen,
Hier ist das weiße Kleid;
Hier stehn die Waitzenhalmen,
Im Frieden nach dem Streit,
Und nach den Wintertagen,
Hier grünen die Gebein,
Die dort der Tod erschlagen,
Hier schenkt man Freudenwein.

Hier ist die Stadt der Freuden,
Jerusalem der Ort,
Wo die Erlösten weiden,
Hier ist die sichre Pfort.
Hier sind die goldnen Gassen,
Hier ist das Hochzeitmahl;
Hier soll sich niederlassen,

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