2013-07-28

A.v.Arnim/C.Brentano: "Des Knaben Wunderhorn"- Einführung und Beispiele


Die Freundschaft zwischen Achim v. Arnim und Clemens Brentano ist für die deutsche Literaturgeschichte ein Glücksfall denn eines der Ergebnisse der fruchtbaren Zusammenarbeit war die Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" das beide Freunde gemeinsam nach langem sammeln herausgaben.

Die beiden Dichter lernten sich 1801 in Göttingen kennen und blieben zeitlebens im persönlichen wie dichterischen Dingen eng miteinander verbunden. Bettina von Brentano, die Schwester von Clemens Brentano wurde im Jahr 1811 die Frau von Arnim und ist als eine achtbare Schriftstellerin in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen.
Beide Dichter sahen sich ein Jahr später im Haus der Brentanos wieder und unternahmen gemeinsam eine Rheinfahrt und beide Freunde zeigten sich beeindruckt von den Liedern und musizieren des Volkes was in den kommenden Jahren dazu führte, das sie anfingen solche Texte und Lieder zu sammeln.
Arnim, der eine Bildungsreise in die Schweiz, nach Frankreich und England unternahm, suchte überall alte Manuskripte oder sammelte mündlich überlieferte Texte. Auch Brentano suchte in alten Schriften nach Volksliedern und trug mit der Zeit eine wertvolle Handschriftensammlung zusammen.
Zwischen den beiden Freunden  herrschte ein reger Briefwechsel und sie berichten sich gegenseitig von ihren Funden.
Nach 2 Jahren trafen sie sich in Berlin und  verbrachten im November und Dezember 1804 einige glückliche Wochen in der Stadt. An eine Herausgabe ihrer gesammelten Volkslieder scheinen sie noch nicht gedacht zu haben. Erst nach der Abreise aus Berlin schreibt Brentano in einem Brief vom 15.02.1805 an Arnim: "Ich habe Dir und Reichardt einen Vorschlag zu machen, bei dem Ihr mich nur nicht ausschließen müßt, nämlich ein wohlfeiles Volksliederbuch zu unternehmen...."
Arnim zeigt sich sofort einverstanden und Brentano entwirft einen ersten Plan.
Im Mai 1805 fährt Arnim nach Heidelberg und in kurzer Zeit stellen sie ein Manuskript zusammen das bereits im Juli in den Druck geht. Schon zur Herbstmesse erscheint der erste Band des "Wunderhorns".
Da Napoleon Deutschland mit Krieg überzog vergingen noch 3 Jahre ehe der zweite und dritte Band erscheinen konnte.
Erst im Jahr 1807 treffen sich die beiden Dichter wieder und in Kassel wird das Manuskript für die Teile 2 und 3 fertiggestellt. Im Jahr 1808 beginnt der Druck in Heidelberg aber durch zahlreiche Änderungen und Einfügungen der Dichter konnte die beiden Bände erst im Herbst erscheinen.

Schon Herder hatte den Wert und die poetische Qualität deutscher Volksdichtung erkannt und war sich ihrer Bedeutung für die deutsche Literatur bewußt und seine Sammlung "Stimmen der Völker in Liedern" war 1778/79 erschienen. Goethe, angeregt von Herder, schuf Gedichte die ihren Ursprung in Volksdichtungen hatten. Herder hat durch seine Sammlung das Interesse für das Volkslied geweckt und neben seinen eigene Sammlung wurde in den Folgejahren kleinere Sammlungen herausgegeben. Die 3 Teile des "Wunderhorns" erfüllten ein allgemeines Bedürfnis nach einer umfangreichen Sammlung deutscher Volkslieder und fand daher bei der Kritik zumeist ein positives Echo. 
Viele der Lieder Brentanos und Arnims stammen aus mündlichen Überlieferungen oder sie entnahmen die Texte aus den Aufzeichnungen von Freunden und Bekannten. Auch gedruckte Quellen aus den 16. und 17. Jahrhundert wurden zur Hilfe herangezogen.

Beide Freunde waren bestrebt, sahen es als ihre Aufgabe an, die Sprache und den Stil zu modernisieren so das die Sammlung durchaus als ein eigenständiges schöpferisches Werk gelten kann. Beide Dichter haben in unterschiedlicher Stärke hinzugedichtet, ergänzt oder gekürzt so das viele der Lieder ihren ursprünglichen Inhalt und Sinn verloren haben und so eher eine Form des Volksliederauffassung der Romantik entsprechen. 
Schon bald nach der Herausgabe der Sammlung wurden kritische Stimmen laut die diese Vorgehensweise der beide Dichter kritisieren. 

"Des Knaben Wunderhorn" fand vor allen in Fachreisen Verbreitung während breite Teile der potentiellen Leserschaft kaum von der Sammlung berührt wurden. Ein wichtiger Grund dafür dürfte sein das der alte Volksliedergesang, trotz der Überarbeitung durch Arnim und Brentano, kulturell und gesellschaftlich überlebt war. Trotzdem ging vom Wunderhorn eine große Wirkung auf die Dichter der Zeit aus.  Vor allem Romantiker wie Eichendorff oder Uhland schöpften aus dieser Quelle und zahlreiche Komponisten wie Zelter, Schumann oder Mahler wurden angeregt Lieder zu vertonen. 

Zu meiner Sammlung

"Des Knaben Wunderhorn" umfasst über 700 Lieder die teilweise nur noch historische Bedeutung besitzen und poetisch schwache Stücke sind. Eine vollständige Wiedergabe der Sammlung halte ich daher für sinnlos. Im Netz gibt es einige Seiten die eine vollständige Ausgabe aller 3 Teile bereits erbracht haben. Daher habe ich nur wenige Lieder ausgesucht die meiner Meinung nach einigen Wert besitzen und meinen persönlichen Geschmack entsprechen. Aus jeden der 3 Teile habe ich 6 Lieder ausgewählt so das sie in der folgenden Aufstellung insgesamt 18 Lieder vorfinden:

Aus Band 1
Fortsetzung Band 1
Aus Band 2
Fortsetzung Band 2
Aus Band 3
Fortsetzung Band 3








Quelle: Verlag der Nation Berlin 1.Auflage 1979
            Nachwort: H. Strobach










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