2013-07-29

C.F.Meyer, D.V.Liliencron, und H.Seidel mit Gedichten über den Tod 8






Conrad Ferdinand Meyer

 Der Ritt in den Tod

„Greif’ aus, du mein junges, mein feuriges Tier!
Noch einmal verwachs’ ich centaurisch mit dir!

Umschmettert mich, Tuben! Erhebet den Ton!
Den Latiner besiegte des Manlius Sohn!

Voran die Trophä’n! Der latinische Speer!
Der eroberte Helm! Die erbeutete Wehr!

Duell ist bei Strafe des Beiles verpönt....
Doch er liegt der die römische Wölfin gehöhnt!

Lictoren, erfüllet des Vaters Gebot!
Ich besitze den Kranz und verdiene den Tod –

Bevor es sich rollend im Sande bestaubt,
Erheb’ ich in ewigem Jubel das Haupt!“
Detlev von Liliencron

Tod in Aehren

 Im Weizenfeld, in Korn und Mohn,
Liegt ein Soldat unaufgefunden,
Zwei Tage schon, zwei Nächte schon,
Mit schweren Wunden, unverbunden.

Durstüberquält und fieberwild,
Im Todeskampf den Kopf erhoben.
Ein letzter Traum, ein letztes Bild,
Sein brechend' Auge schlägt nach oben:

Die Sense rauscht im Aehrenfeld,
Er sieht sein Dorf im Arbeitsfrieden.
Ade, Ade du Heimatwelt –
Und beugt das Haupt, und ist verschieden.
Heinrich Seidel

Der Zug des Todes

Über die Heide bei’m Morgengraun
Wandert ein Zug, gar seltsam zu schaun.

Voran der hagre Knochengesell:
Wie tönt seine Glocke hart und grell.

Sie schallt über Pfeifen- und Geigengetön
Und durch des Krieges Donnergedröhn.

Und wer sie hört, der muss hinteran,
Und sei es Kind, Greis, Weib oder Mann.

Ade, du rosiges Jungfräulein!
Du tanztest heute den letzten Reihn.

Nimm Abschied du junger Kriegesgesell
Es ist dir schon bereitet die Stell.

Unschuldige Kinderlein ziehen voran,
Die Alten humpeln hinterdran.

Vorüber unabsehbar viel -
Sie wandern all nach einem Ziel.

Mit Augen gross und starr und weit -
Die schaun schon in die Ewigkeit.

Über die Heide bei’m Morgengraun
Wandert ein Zug gar seltsam zu schaun.

Er wandert, seit die Menschheit besteht,
Und wandern wird er, bis sie vergeht.

Bis einst die Glocke nicht mehr klingt,
Kein Baum mehr rauscht, kein Vogel singt.

Bis Erdenlust und Erdenleid
Versunken in die Ewigkeit.







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