2013-07-30

Das Thema Eifersucht im Gedicht (1)







Friedrich Wilhelm Gotter

Die Eifersucht

Eifersucht, der Liebe Hölle!
Elend, elend, wer dich fühlt,
Wenn dein Dolch, getränkt mit Gifte
Ratlos in dem Busen wühlt;
Wenn der Seele Tiefen zittern,
Wie die Fluten in Gewittern,
Und kein Wort, kein Wort des Trostes
Deiner Marter Gluten kühlt;
Eifersucht, der Liebe Hölle!
Elend, elend, wer dich fühlt!

Eifersucht, der Liebe Himmel!
Selig, selig, wer dich fühlt!
Wenn ein Wort, ein Wort des Trostes
Deiner Marter Gluten kühlt;
Wenn der Reue Träne fließet;
Wenn Versöhnung uns umschließet;
Und der Nektar ihres Kusses
Alle Spuren des Verdrusses
Aus der Seele Tiefen spült;
Eifersucht, der Liebe Himmel!
Selig, selig, wer dich fühlt!
Abraham Gotthelf Kästner

. Der Liebhaber ohne Eifersucht

 Ja, neiderfüllter Buhler Seelen
Mag ihrer Schönen Auge quälen,
Wenn es nach Andern seitwärts zielt;
Doch, dass ich Chloris stärker liebe,
Macht, weil sie zärtlich heiße Triebe
In Jedem wirkt, für Jeden fühlt.

Ein einzig Herze zu besiegen,
Kann schlechter Schönen Geist vergnügen;
Kein Wunsch ist, der sich weiter regt,
Wenn einer nur im Sklavenstande
Der matten Reizung schwache Bande
Mit Treue voller Einfalt trägt.

So lebt in's Erdballs kleinstem Stücke
Ein blöder Fürst in schlechtem Glücke,
Den kaum sein Hof, sonst Niemand kennt;
Sein Ländchen kann kein Feind verringern;
Doch Chloris gleicht den Weltbezwingern,
Ihr Unterthan ist, wer sie nennt.
Johann Gottfried Herder

Eifersucht

 O Leben wie im Himmelreich,
Zwei Herzen, edel und sich gleich
Und Eins! Ein Wunsch, ein süßes Streben
Nach Glück, ein Glück, ein Liebeleben!
Ein Himmelreich! – Nur, Himmelreih,
Auch Du, auch Du
Hast einen Feind der Ruh,
Die Hyder Eifersucht! Und, Gott, was ist ihr gleich!

Was sonst wie scharf die Liebe trifft,
Reiz ist es, Salz, nicht fressend Gift!
Noth, Blöde, Trennung, Hindernisse,
Was ist's, das Liebe mehr versüße,
Mehr lohne! – Aber hier in Not,
Wer giebt mir Ruh?
Wer Trost für Dich, o Du,
Du Hölleneifersucht? – Auf dieser Welt? – Nur Tod!

Sie fälschet, blendet, gaukelt an
Die ganze Welt mit Lügenwahn,
Führt, Irrlicht, uns auf welche Wege
Voll Nacht, voll Graun! Auf Höllenwege!
Wie Teufel martern, martert sie
Das arme Herz
Mit glühndem, langen Schmerz.
Ach, Alles, Alles leid' ich – Dich, o Dich nur nie!

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