2013-07-29

Der Garten des Todes- Deutsche Gedichte zum Tod 10





Gustav Falke

Der Garten des Todes

Schweigend führte mich der Tod
Durch ein erlöschendes Abendrot
An seine gastliche Pforte
Und sprach mit gütigem Worte:
Tritt ein in meinen Garten, Freund.

Du findest hier Gesellschaft viel,
Freundlich Wort, Sang und Saitenspiel,
Friedetag, der deinem Sehnen und Hoffen
Hält seine weichen Arme offen.
Gesell dich meinen Kindern nun.

Über weiße Blumen schritt
Der Tod und zog mich lächelnd mit,
Kühl, kühle Hand. Mit freundlichem Neigen
Trat er in einen seligen Reigen;
Hier, euer Bruder, sprach er sanft.

Mit stillen Augen grüßten sie.
Ich sah so reine Liebe nie
In einem Blick ihren süßen Segen
In eine andre Seele legen.
Da küßte ich dem Tod die Hand.
Hedwig Lachmann:

Treu bis in den Tod

 Sie diente ihm getreu beflissen
Als Weib und Magd an fünfzig Jahr.
Sie schob ihm zu die besten Bissen,
Nahm seine kleinsten Wünsche wahr.

Sie hat zehn Kinder ihm geboren
Und hielt sie seinem Unmut fern.
Sie hat sich ganz in ihn verloren
Und ihm gehorcht als ihrem Herrn.

Nun starb er ihr. Noch lebenskräftig
Bleibt sie zurück verwaist und fremd.
Zum letztenmal für ihn geschäftig,
Bereitet sie sein Totenhemd.

Mit ihren Fingern welk und hager
Wäscht sie den kalten starren Leib
Und dient ihm an dem stillen Lager
Zum letztenmal als Magd und Weib.
Alfons Petzold

Der Weiße Tod

Der Bremser mit verkrampftem Griff
hält festgepackt den Hebel;
ein banger, langgezog'ner Pfiff
durchirrt den dichten Nebel,
der ringsumher wie eine Wand
sich um den sausenden Wagen spannt.

Heut ist die Nacht der weißen Not:
Beim Absturz der Lawinen
steht händereibend Bahnwärter Tod
und späht hinab die Schienen.
Er zählt bedächtig die Opfer und lacht.
Die Flocken sinken durch die Nacht.

Nicht links, nicht rechts ein Lichtlein blüht,
schwarz starrt die dunkle Ferne,
und nur der Schienenstrang erglüht
im Schimmer der Laterne.
Der Führer zu dem Heizer spricht:
"Den Wochenlohn für ein Sternlein Licht.

Da blinkt's vor ihnen seltsam auf,
im Felsbruch reckt sich ein Beben.
Was hebt und was nacht sich im wilden Lauf?
"Bremser, jetzt gilt es das Leben!"
"Die Bremse an!" – Ein dreifacher Schrei. –
Gerettet der Zug. – Wo sind die drei?

Die dreie, die in dieser Nacht
standen auf der Maschine,
sie haben als Opfer sich dargebracht
der rollenden Lawine.
"Zieh an! Zieh!" Der Bremser zog an...
Der eisige Rachen fraß alle drei Mann.




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