2013-07-27

Der Tod als Gast- Gedichte 7







Theodor Fontane

Der Gast

Das Kind ist krank zum Sterben,
Die Lampe giebt trägen Schein,
Die Mutter spricht: mir ist es
Als wären wir nicht allein.

Der Vater sucht zu lächeln,
Doch im Herzen pocht’s ihm bang,
Stiller wird’s und stiller, –
Die Nacht ist gar zu lang.

Nun scheint der Tag ins Fenster,
Die Vögel singen so klar;
Die Beiden wußten lange,
Wer der Gast gewesen war.
Wilhelm Hertz

Treuliebchens Tod

O Liebster, sag’, welch süßer Ton
     So mächtig und so lind?
„Die Kirchenglocken klingen schon,
     Du armes, krankes Kind.“

Dazwischen schallt so hold und klar
     Gesang aus Engelsmund.
„Sie rufen uns bald zum Traualtar,
     Bald, bald bist du gesund.“

Bald, Liebster, bald! Sie rufen all’
     In fernes, fremdes Land.
Du hörst ihn nicht, den süßen Schall;
     Komm’, reich’ mir deine Hand!

Mein Haupt wird frei, mein Aug’ wird licht,
     Vom Herzen schwand das Weh;
Siehst du das seltsame Gesicht,
     Das ich durch’s Fenster seh’?

Da liegt ein Grab in Einsamkeit
     Mit Blumen bunt und klar;
Die windest du der fremden Maid
     Als Brautkranz in das Haar.

Wer gab sie dir zu Scherz und Lust?
     Was störst du mein stilles Haus?
Nicht starb meine Liebe in todter Brust,
     Lenzblumen wurden daraus.

Die blüh’n für dich. – Drum nimm sie hin!
     Gott segne deine Braut!
Nie mag bereu’n dein heitrer Sinn,
     Was ich im Tod geschaut.

Die Stunde schlägt, die Glocke schallt
     Mit sanfter Himmelsmacht;
Mein Aug’ ist müd’, – der Ton verhallt, –
     Herzliebster, gute Nacht!
Betty Paoli

Täglicher Tod

 Wenn Mehlthau auf die Blume fiel,
Da sinkt sie ohne Hoffen,
Und ward ein Baum des Blitzes Ziel,
Stürzt er, zu Tod getroffen.

Und wenn in einer Menschenbrust
Erregt die Qualen werden,
Da ist ihr's innig tief bewußt,
Daß Heilung nicht auf Erden.

Dem Baum, der Blume wird sofort
Bald stille Ruh' gegeben,
Das Menschenherz allein lebt fort
Sein täglich sterbend' Leben.

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