2013-07-28

Des Knaben Wunderhorn- 2.2






Wo's schneiet rothe Rosen, da regnet's Thränen drein

Wohl heute noch und Morgen,
Da bleibe ich bei dir;
Wenn aber kömmt der dritte Tag,
So muß ich fort von hier.

Wann kömmst du aber wieder,
Herzallerliebster mein;
Und brichst die rothen Rosen,
Und trinkst den kühlen Wein?

Wenns schneiet rothe Rosen,
Wenns regnet kühlen Wein;
So lang sollst du noch harren,
Herzallerliebste mein.

Ging sie ins Vaters Gärtelein,
Legt nieder sich, schlief ein;
Da träumet ihr ein Träumelein,
Wies regnet kühlen Wein.

Und als sie da erwachte,
Da war es lauter Nichts;
Da blühten wohl die Rosen,
Und blühten über sie.

Ein Haus thät sie sich bauen,
Von lauter grünem Klee;
Thät aus zum Himmel schauen,
Wohl nach dem Rosenschnee.

Mit gelb Wachs thät sies decken,
Mit gelber Lilie rein,
Daß sie sich könnt verstecken,
Wenns regnet kühlen Wein.

Und als das Haus gebauet war,
Trank sie den Herrgotts Wein,
Ein Rosenkränzlein in der Hand,
Schlief sie darinnen ein.

Der Knabe kehrt zurücke,
Geht zu dem Garten ein,
Trägt einen Kranz von Rosen,
Und einen Becher Wein.

Hat mit dem Fuß gestoßen
Wohl an das Hügelein,
Er fiel, da schneit' es Rosen,
Da regnets kühlen Wein.
Edelkönigs-Kinder

Es waren zwei Edelkönigs-Kinder,
Die beiden die hatten sich lieb,
Beisammen konten sie dir nit kommen,
Das Wasser war viel zu tief.

Ach Liebchen köntest du schwimmen,
So schwimme doch her zu mir,
Drey Kerzlein wollt ich dir anstecken,
Die solten auch leuchten dir.

Da saß ein loses Nönnechen,
Das that, als wenn es schlief,
Es that die Kerzlein ausblasen,
Der Jüngling vertrank so tief.

Ach Mutter herzliebste Mutter,
Wie thut mir mein Häuptchen so weh,
Könt ich ein kleine Weile
Spazieren gehn längst der See.

Ach Tochter herzliebste Tochter,
Allein solst du da nit gehn,
Weck auf deine jüngste Schwester,
Und laß sie mit dir gehn.

Ach Mutter herzliebste Mutter,
Mein Schwester ist noch ein Kind,
Sie pflückt ja all die Blumen,
Die in dem grünen Wald sind.

Ach Mutter herzliebste Mutter,
Wie thut mir mein Häuptchen so weh,
Könt ich eine kleine Weile
Spazieren gehn längst der See.

Ach Tochter, herzliebste Tochter,
Alleine sollst du da nit gehn,
Weck auf deinen jüngsten Bruder,
Und laß ihn mit dir gehn.

Ach Mutter, herzliebste Mutter,
Mein Bruder ist noch ein Kind,
Er fängt ja alle die Haasen,
Die in dem grünen Wald sind.

Die Mutter und die ging schlafen,
Die Tochter ging ihren Gang,
Sie ging so lange spazieren,
Bis sie ein Fischer fand.

Den Fischer sah sie fischen,
Fisch mir ein verdientes roth Gold,
Fisch mir doch einen Todten,
Er ist ein Edelkönigs-Kind.

Der Fischer fischte so lange,
Bis er den Todten fand,
Er grif ihn bei den Haaren,
Und schleift ihn an das Land.

Sie nahm ihn in ihre Arme,
Und küßt ihm seinen Mund:
Adie mein Vater und Mutter,
Wir sehn uns nimmermehr.
90 × 9 × 99

Es waren einmal die Schneider,
Die hatten guten Muth,
Da tranken ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
Aus einem Fingerhut.

Und als die Schneider versammelt waren,
Da hielten sie einen Rath,
Da sassen ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig,
Auf einem Kartenblat.

Und als die Schneider nach Hause kamen,
Da können sie nicht hinein,
Da schlupften ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
Zum Schlüsselloch hinein.

Und als die Schneider recht lustig waren,
Da hielten sie einen Tanz,
Da tanzten ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
Auf einem Geisenschwanz.

Und als sie auf der Herberg waren,
Da hielten sie einen Schmauß,
Da fraßen ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig,
An einer gebacknen Maus.

Und als ein Schnee gefallen war,
Da hielten sie Schlittenfahrt,
Da fuhren ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
Auf einem Geisenbarth.

Und als die Schneider nach Hause wollen,
Da haben sie keinen Bock,
Da reiten ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
Auf einem Haselstock.

Und als die Schneider nach Hause kamen,
Da saßen sie beim Wein,
Da tranken ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
An einem Schöpplein Wein.

Und als sie all besoffen warn,
Da sah man sie nicht mehr,
Da krochen ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig
In eine Lichtputzscheer.

Und als sie ausgeschlafen hatten,
Da können sie nicht heraus,
Da wirft sie alle neunzig,
Neun mal neun und neunzig
Der Wirth zum Fenster hinaus.

Und als sie vor das Fenster kamen,
Da fallen sie um und um,
Da kommen ihrer neunzig,
Neun mal neun und neunzig

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