2013-07-27

Deutsche Dichter zum Tod in Gedichten (Otto, Bauernfeld, Eichrodt) 6







Louise Otto

Totenklage

I. Auf den Grabstein meines Bräutigams

In meinem Herzen steht dein Bild,
Dein Name klingt durch meine Lieder
Trotz Tod und Trennung nah ich mild
Zu deinem Grab mich liebend wieder:
Denn zweier Seelen reine Harmonie
Trennt selbst des Todes schriller Mißton nie.

II. Gebet am Grabe

Du gabst ihn mir – du hast ihn mir genommen,
Du ew’ger Gott, der unser Schicksal lenkt,
Mit ihm ward mir das höchste Glück geschenkt
Und nun ist mir das tiefste Leid gekommen.

Ich frage wohl: wie soll ich noch ertragen
Das Leben, das nun öde vor mir liegt
Seit ihn des Todes dunkle Macht besiegt
Und all umsonst mein Sehnen und mein Klagen?

Und doch – ob alle Hoffnungen versanken
Erinn’rung bleibt mir an die Seligkeit,
Die nur der Liebe süße Macht verleiht –
Und dafür muß ich selbst in Thränen danken.
Eduard von Bauernfeld

Tod

Kriechende, schleichende,
Kalte Wesen,
Würmchen und Käfer
Nagen an ihm;
Doch er gewahrt's nicht —
Er ist zu sehr in Träume vertieft.
Ludwig Eichrodt

Rührender Tod

Tief im Gebirg auf sonnigem Grund
Da liegen zwei Genossen,
Alle Beide auf den Tod verwundt,
Alle Beid ins Herz geschossen.

Von Ferne toset das Gefecht
Herauf zum grünen Walde,
Die Schüsse knattern so regelrecht
Und säubern Trift und Halde.

Die Beiden aber lagen im Moos
Und schauten, treuen Blickes,
In des Himmels dunkelblauen Schoos
Und harrten ihres Geschickes.

Sie liegen viele Schritte fern –
Das schmerzet mehr als die Wunde,
Sie wären bei einander so gern
In der bittern Todesstunde!

Und mit unendlicher Liebesmüh
Rücken sie näher und näher;
O Bruder, stirb mir nicht zu früh,
Ich sterbe sonst so eher.

Sie haben sich mit stiller Glut
In ihre Arme geschlossen,
Und ihre Thränen und ihr Blut
In Eins zusammen flossen.

Sie küssen sich und schaun sich an,
Der Eine und der Ander,
Und lächeln freundlich dann und wann,

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