2013-07-31

Die Lyrik der Aufklärung Teil 1- Begriffsbestimmung, Ausgangssituation u. Überwindung der höfische Dichtung




Was heißt Aufklärung? Diese Frage stellte sich schon vor rund 230 Jahren Emanuel Kant und beantwortete sie in der gleichnamigen geschichtsphilosophischen Schrift aus dem Jahr 1784 wie folgt: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapre aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."
Diese Formulierung, das heißt der Inhalt war für alle bedeutenden Denker des 18. Jahrhunderts der entscheidende Punkt für das Ziel der  Durchsetzung eines selbstbestimmten Lebens in einem humanistischen Zeitalter.
In Frankreich und England strebte das Bürgertum zur  Selbstverwirklichung und die Aufklärung hatte eine antifeudale und antireligiöse Grundtendenz.
Deutschland, infolge des 30 jährigen Krieges war in über 300 souveräne Kleinstaaten zerspittert. Daher begann  in England, Frankreich und den Niederlanden  das Bürgertum  den Adel als gesellschaftlich bestimmende Kraft  langsam zu verdrängen.
Durch die Zersplitterung Deutschlands wurde die Entfaltung, also eine Gesamtentwicklung der Literatur der Aufklärung behindert, und nahm in den einzelnen Ländern eine unterschiedliche Entwicklung und führte daher zur Herausbildung territorialer Strömungen und Gruppierungen. Trotzdem muß die deutsche Aufklärung als eine gesamteuropäische Entwicklung betrachtet werden die in England ihren Ausgangspunkt hatte.

Die Lyrik - Ausgangssituation u. Überwindung der höfische Dichtung

Im 17.Jahrhundert hatte sich in Spanien und in Frankreich eine Nationalliteratur herausgebildet während in Deutschland die Poeten an den Höfen im Dienste der Feudalherren standen und deren Herrschaft in ihren Produktionen verklärten. Nur sehr langsam und träge halten im 17.Jh. Thematiken der Aufklärung Einzug in die Werke der deutschen Schriftsteller.

Diese, wenn auch noch zaghafte Wende, konnte dadurch entstehen, da das Bürgertum wirtschaftlich erstarkte und sich bürgerliche Verhältnisse festigten. Hinzu kommt das die höfische Dichtung, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann, an Einfluß verliert. Die Literaten der Zeit waren dadurch gezwungen sich neue "Märkte" zu erschließen und allmählich entstand eine bürgerliche Literatur, wenn man so will, unter anderen darum, weil wirtschaftliche Verhältnisse dazu zwangen.

In der Phase der Ablösung der barocken Dichtung zur Aufklärung entstanden völlig neue poetische Ansätze und es entstanden, zahlreiche, oft aus Frankreich beeinflusste, literaturästhetische Schriften, in denen versucht wurde die Ablösung der höfischen Poesie mit neuen literaturtheoretischen Standpunkten zu untermauern.In dieser Schriften wurde auch erstmalig die Notwendigkeit nach einer einheitlichen deutschen Dichtersprache erhoben. Eine rege Diskussion wurde darüber geführt ob in der Poetik der  Inhalt über der Form steht. 1707 erschien ein Werk von Erdmann Neumeister (1671-1756) das für die Zeit des Übergangs typisch ist. Dieses literaturtheoretische Werk beschäftigte sich mit der Überwindung der höfisch-galanten Dichtung und versucht neue Ansätze für die Poesie zu finden. Das Werk war weit verbreitet und erlebte einige Auflagen. Es war ein typisches Werk des Aufbruchs in eine neue literarische Zeit. 
Typische Vertreter dieser Aufbruchs-bzw. Übergangszeit sind J.G.Günther, A.Haller, F.v.Hagedorn und andere. Sie führen direkt zu Gottsched oder Gleim  und weiter zur Hochphase der deutschen Aufklärung die in der Zeit von 1750 bis 1770 anzusiedeln ist und die solche Dichter wie G.E.Lessing  oder Kloppstock hervorbrachte.


Lesen Sie auch: 

Teil 2- Gottsched und die Überwindung seiner Ästhetik

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