2013-07-31

Ein Menschenleben- Gedichte von Hille, George und Henckel 5






Karl Henckel

Glück

 Doch was ist Glück? Es ist nicht dein Behagen,
Es ist der Quell, den du aus Stein geschlagen,
Der Blitz, der feurig in die Dürre fährt,
Das Licht, das liebend deinen Kampf verklärt.

O feige Qual, wenn, meines Werts vergessen,
Ich nicht mehr wäge, was mir zugemessen,
Wenn ich, verlangend nach gemeinem Lohn,
Mit Marktgut tausche meinen Königsthron!

Vom Seelengrunde fühl ich's grollend steigen,
Es läßt nicht Ruh mir, wenn die Stunden schweigen,
Nachts aus dem Schlummer schreckt es mich empor:
»Du bist ein Bettler, der ein Reich verlor!«
Peter Hille

Krank

Leidendes Gewand,
Kränklich heiße Hand,
Weher Sterne Flirren.
Tiefversunkener Brand,
Bang verblichen Band,
Wie ein Rauch mag irren.
Stefan George

IM HERBST DES LEBENS

 Ich liebe den mann auf dessen hoher stirne
Der herbst des lebens furchen ausgehöhlt ·
Der viel ertragen hat und viel gelitten ·
Dem keine lüge aus den augen schaut ·

Der zu ergötzen zu verfluchen wusste ·
In dessen herzen feuer aufgebrannt ·
Der dieses feuer mit den tränen löschte ·
Verzweiflung kannte und den sehnsuchtsgram.

Der ist imstande andrer herzen bängnis
Wol zu begreifen · andrer seelen schmerz
Versteht er – gleich erinnrungen – zu ehren ·
Er weint mit ihnen ohne dass ers weiss.

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