2013-07-31

Ein Menschenleben in Gedichten Teil 4






Friedrich Hölderlin

Auf die Geburt eines Kindes

 Wie wird des Himmels Vater schauen
Mit Freude das erwachsne Kind,
Gehend auf blumenreichen Auen,
Mit andern, welche lieb ihm sind.

Indessen freue dich des Lebens,
Aus einer guten Seele kommt
Die Schönheit herrlichen Bestrebens,
Göttlicher Grund dir mehr noch frommt.
Johann Nikolaus Götz

Das Leben

Wie ein Gewölk, so schnelle,
So schnell, wie deine Welle,
Entflieht die Zeit, beliebter Bach!
Ein Thor allein sieht ihr mit Wehmut nach.
Nur der sie nutzt,
Kann, fleucht sie gleich den Winden,
So sehr sie stutzt,
Ihr ihre regen Flügel binden.
Ist unser Leben nur ein kurzer Weg,
Ist unser Leben nur ein schmaler Steg,
So laßt uns diesen kurzen Weg
Und schmalen Steg,
So lang wir noch im Frieden drüber gehen,
Mit Rosen übersäen.
Hans Aßmann von Abschatz

Die beste Zeit vergeht den Menschen unter Händen

 Die beste Zeit vergeht den Menschen unter Händen/
Die Kranckheit findet sich/ das Alter schleicht sich ein/
Verdruß und Mühsamkeit muß ihr Ergötzen seyn/
Biß sie/ nach vieler Qual/ das kurtze Leben enden.

Friedrich Rückert 

Mit vierzig Jahren ist der Berg erstiegen,
wir stehen still und schau´n zurück,
dort sehen wir der Kindheit stilles liegen
und dort der Jugend lautes Glück.

Noch einmal schau, und dann gekräftigt weiter
erhebe deinen Wanderstab!
Hindehnt ein Bergesrücken sich ein breiter,
und hier nicht, drüben geht´s hinab.

Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen,
die Eb´ne zieht von selbst dich fort;
dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen,
und eh du´s denkst, bist du im Port.

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