2013-07-30

Gottlieb Konrad Pfeffel-Kurzbiografie und Leseproben



Geboren:       28.06.1736 in Kolmar/Elsaß
Gestorben:     01.05.1809 in Kolmar

1751              Studium in Halle/Jura
1754              Wegen einer Augenkrankheit bricht er sein Studium ab und ist wieder in Komar
1557              Er erblindet und in den kommenden Jahren entstehen seine Fabeln,                                              Kinderlieder und Dramen
1788              Ehrenmitglied an der Akademie der Künste in Berlin
1803              Durch Napoleon zum Präsidenten des evangelischen Konsistoriums in Kolmar ernannt



Werke:

Poetische Versuche in 3 Büchern 1761
Fabeln 1763
Dramen, Erzählungen



Pfeffel begann sein Schaffen indem er Gedichte schrieb die der anakreontischer Manier seiner Zeit folgte. Empfindsamkeit, Tugendhaftigkeit und "edle" Einfalt in ein religiöses Gewand gekleidet machen einen großen Anteil, der in dieser Schaffensphase entstandenen Werke des Dichters aus.
Etwa seit 1865 tritt der Dichter mit Fabeln und Erzählungen hervor die von den Auseinandersetzungen seiner Zeit beeinflusst sind und insbesondere in seinen Fabeln ihren Niederschlag fanden. Pfeffel Absicht lag darin aufklärerisch tätig zu werden, um so gegen feudale Willkür und für die Befreiung der Menschen von Unterdrückung und Glaubenszwang einzutreten. Dies gelang ihn am besten in seinen Fabeln.

Ein großer Teil seiner in Fabeln verarbeiteten Themen entnahm er dem Leben des bäuerlichen Standes. Er zeigt soziale Gegensätze indem er das Leben der Bauern den der Junker und Gutsbesitzer gegenüber stellt. Aber auch Aberglauben und das Festhalten an orthodoxen Glaubensbekenntnissen geraten in die Kritik des Dichters. Seine Verachtung trifft die, die sich bei den Fürsten anbiedern.

"Und so entstanden in dem Staate
Die fetten Hofkanonikate
Für Eseln, die auf Polstern ruhn
Und Sold beziehn um nichts zu tun."

(Aus "Der Esel")

Pfeffel gehörten zu den Dichtern deren Werk man fast als "politisch" bezeichnen könnte. Alte französische Fabelstoffe verändert er so das sie den aktuellen Anforderungen entsprechen. Ohne die allgemeinen Grundsätze (Form) der Fabel zu verändern erreicht der Dichter eine starke sozialkritische Wirkung die andere Fabeldichter nicht erreicht haben. Um so erstaunlicher ist  es das sein Name und Werk fast vergessen sind. 

"Ihr Völker wollt ihr nicht, daß euch die Fürsten zwingen,
Bald über ihren Stock, bald in die Fluth zu springen,
So spiegelt euch an diesem armen Wicht,
Und lecket ihren Speichel nicht."

(Aus "Thrasimund und sein Pudel")
Leseproben


Der Esel

Der Esel trat als Supplicant
Zum Löwen. Sir, darf ich es wagen,
Sprach er, ein Wort dir vorzutragen?
Die Polizey in jedem Land
Hat Männer von Talent ernannt,
Des Nachts die Stunden anzusagen:
Nun wissen Berge, Thal und Wald,
Wie mächtig meine Töne schallen,
Drum bitt ich, Sir, laß dir gefallen
Mit einem mäßigen Gehalt
Von Rocken, Haber oder Kleyen
Das Wächteramt mir zu verleihen.
Er senkt das Ohr und schweigt. Alsbald
Wird seine Bitte placidieret;
Der Esel wird durch Stab und Horn
Zum Stundenrufer investieret,
Und ein Gehalt von Heidekorn
Wird ihm in Gnaden assignieret.
Die Nacht bricht ein. Wie Boreas
Ruft er: ihr Herren, laßt euch sagen ...
Dem Hof gefiel der neue Spaß;
Doch, als der Seiger Eins geschlagen
Und er noch rief, da fieng der Chan
Den Schreyer zu verwünschen an;
Und Luna gieng noch nicht zur Neige,
So bot er durch ein Windspiel ihn
Auf seine Burg. Das Thier erschien.
Geh, friß dein Korn daheim und schweige.
So sprach der Fürst und ließ ihn ziehn;
Und so entstanden in dem Staate
Die fetten Hofkanonikate
Für Eseln, die auf Polstern ruhn,
Und Sold beziehn um nichts zu thun.
Der feine Unterschied

Der alte finstre Lisimon
Sprach jüngst zu seinem lockern Sohn:
Mein Kind, soll dir das Glück einst blühen,
So mußt du stets die Weiber fliehen.
Der weise Sirach hat wohl recht,
Es ist ein teuflisches Geschlecht:
Weh dir, wenn sie ins Garn dich ziehen!
Der Sohn verspricht es dem Papa,
Und küßt, daß es der Alte sah,
Gleich drauf des Gärtners braunes Hedchen.
Wie, flucht der Vater, Bösewicht!
Erwägst du meine Lehre nicht?
O, rief der Sohn, das ist ein Mädchen.
Die Antipathie

 Ein Zecher war bereit zu scheiden;
Sein Weib bethränte sein Gesicht.
Ach, rief er, Liebe, weine nicht;
Ich konnte nie das Wasser leiden!




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