2013-07-29

Johann Peter Uz-Biografie und Gedichte



Einen breiten Kreis ist der Dichter J.P.Uz wohl nicht mehr bekannt und nur noch Germanisten und an deutscher Literatur Interessierten mag der Name noch ein Begriff sein, obwohl Uz als Lyriker wegweisende Gedichte schuf die im aufklärerischen Sinne auf zeitgenössische Dichter wirkten. Wenn auch viele seiner lyrischen Produktionen der anakreontischen Dichtung verpflichtet blieben, so hat er in seinen besten Werken durchaus Gedichte geschaffen, die es wert wären einen breiteren Leserkreis zu erreichen.

Uz wurde als Sohn als eines Goldschmieds am 03.10.1720 in Ansbach geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er in Halle Jura und freundete sich hier mit Gleim und Götz an die den sogenannten "Halleschen Dichterkreis" bildeten. Von diesen Dichtern kann man Uz als den Begabtesten bezeichnen da seine Gedichte sich durch ein tieferes Empfinden und eine sprachliche kräftigere Ausdrucksweise auszeichnen.
In den Gedichten im anakreontischen Stil ist der Einfluss Hagedorns spürbar und die Thematik dieser Gedichte ist den alten Inhalten von "Weib, Wein und Gesang" verpflichtet. 
In einigen Gedichten gelingt es dem Dichter nationale und patriotische Gefühle zu erwecken die sich wohltuend von den Grenadierliedern Gleims abheben. 

Johann Peter Uz ist am 12.05.1796 in Ansbach im Range eines Justizrat gestorben. Eine späte Würdigung erfuhr der Dichter von Schiller, Herder und Lenz die sich anerkennend über den Dichter äußerten.

Im Folgenden 3 Gedichte von Uz. Das Gedicht "Frühlingsluft" ist der traditionellen Thematik verpflichtet zeichnet sich aber durch seine vollendete und melodienhafte Form aus.
In dem Gedicht "Das bedrängte Deutschland" zeigt sich der patriotische Uz der sich gegen die deutschen Spießbürger wendet und an den deutschen Nationalgeist appelliert. 
Das Gedicht "Auf den Frieden" bezieht er Stellung gegen den Krieg und wendet sich gegen die Politik der Fürsten.


Frühlingsluft

Seht den holden Frühling blühn!
Soll er ungenossen fliehn!
Fühlt ihr keine Frühlingstriebe?
Freunde, weg mit Ernst und Leid!
In der frohen Blumenzeit
Herrsche Bacchus und die Liebe.

Die ihr heute scherzen könnt,
Braucht, was euch der Himmel gönnt
Und wohl morgen schon entziehet.
Denn wer ist‘s, der wissen mag,
ob für ihn ein Frühlingstag
Aus Aurorens Armen fliehet?

Hier sind Rosen! Hier ist Wein!
Soll ich ohne Freude sein,
Herrsche, Gott der Fröhlichkeit!
Wo der alte Bacchus lachet?
Herrsche, denn es kommt die Zeit,
Die uns trübe Stirnen machet.

Aber, Phyllis läßt sich sehn!
Seh ich Amorn mit ihr gehn?
Ihm wird alles weichen müssen.
Weiche, Wein! Wo Phyllis ist,
Trinkt man seltner als man küßt:
Bacchus, weg! Ich will nun küssen.
Das bedrängte Deutschland

Wie lang zerfleischt mit schwerer Hand
Germanien sein Eingeweide?
Besiegt ein unbesiegtes Land
Sich selbst und seinen Ruhm, zu schlauer Feinde Freude?

Sind, wo die Donau, wo der Mayn
Voll fauler Leichen langsam fließet;
Wo um den rebenreichen Rhein
Sonst Bacchus fröhlich gieng, und sich die Elb' ergießet:

Sind nicht die Spuren unsrer Wuth
Auf ieder Flur, an iedem Strande?
Wo strömte nicht das deutsche Blut?
Und nicht zu Deutschlands Ruhm: Nein! meistens ihm zur Schande!

Wem ist nicht Deutschland unterthan!
Es wimmelt stets von zwanzig Heeren:
Verwüstung zeichnet ihre Bahn;
Und was die Armuth spart, hilft Uebermuth verzehren.

Vor ihnen her entflieht die Lust;
Und in den Büschen öder Auen,
Wo vormals an geliebter Brust
Der satte Landmann sang, herrscht Einsamkeit und Grauen.

Der Adler sieht entschlafen zu,
Und bleibt bey ganzer Länder Schreyen
Stets unerzürnt in träger Ruh,
Entwaffnet und gezähmt von falschen Schmeicheleyen.

O Schande! sind wir euch verwandt,
Ihr Deutschen jener bessern Zeiten,
Die feiger Knechtschaft eisern Band
Mehr, als den härtsten Tod im Arm der Freyheit scheuten?

Wir, die uns kranker Wollust weihn,
Geschwächt vom Gifte weicher Sitten;
Wir wollen deren Enkel seyn,
Die, rauh, doch furchtbarfrey, für ihre Wälder stritten?

Die Wälder, wo ihr Ruhm noch izt
Um die bemoosten Eichen schwebet,
Wo, als ihr Stahl vereint geblitzt,
Ihr ehrner Arm gesiegt und Latium gebebet?

Wir schlafen, da die Zwietracht wacht,
Und ihre bleiche Fackel schwinget,
Und, seit sie uns den Krieg gebracht,
Ihm stets zur Seite schleicht, von Furien umringet.

Ihr Natternheer zischt uns ums Ohr,
Die deutschen Herzen zu vergiften;
Und wird, kommt ihr kein Hermann vor,
An Hermanns Vaterland ein schmählig Denkmaal stiften.

Doch mein Gesang wagt allzuviel!
O Muse! fleuch zu diesen Zeiten
Alkäens kriegrisch Saitenspiel,
Das die Tyrannen schalt, und scherz auf sanftern Saiten.
Auf den Frieden

 O Erde, wo jüngst Blut geflossen,
Laß Bluhmen sprossen,
Noch vor der Bluhmenzeit,
Den holden Frieden zu bekränzen,
Der wieder kömmt nach langem Streit,
Und vor ihm her zu glänzen
Im Frühlingskleid!

Er kömmt zurück durch öde Fluren,
Voll frischer Spuren
Der kriegerischen Wuth.
Er eilt aus räubervollen Sträuchen,
Und wandelt schaudernd über Blut
Und halbverweste Leichen
Und Asch und Glut.

Die Freude jauchzt auf allen Wegen
Ihm wild entgegen,
Durch süßen Weihrauchduft.
Sein Anblick tröstet die Geplagten,
Und seine sanfte Stimme ruft
Die hoffenden Verjagten
Aus fremder Luft.

Sie taumeln jetzt mit scheuen Schritten
Zu ihren Hütten,
Zu Wohnungen der Noth.
Sie finden rauchende Ruinen,
Vom Blut erschlagner Freunde roth;
Und Hunger nagt in ihnen
Am letzten Brod.

Gekrönte Häupter großer Staaten,
Seht eure Thaten,
Und wie ihr uns beglückt!
Zählt die erschlagnen Unterthanen,
Wann ihr, von Heldenlust entzückt,
Auf die ersiegten Fahnen
Stolz lächelnd blickt!

Wie lange werden doch die Fürsten
Nach Lorbeern dürsten,
Wie Mars nach Blute schnaubt!
Mit Schande, nicht mit Lorbeerkränzen,
Verhängniß, kröne dessen Haupt,
Der wieder unsern Gränzen
Den Frieden raubt!

Der nicht sein Volk mit Huld erquicket,
Die Noth erblicket,
Und Hungrige nicht speist,
Nicht mit wohlthätigen Erbarmen
Als einen Vater sich erweist,
Wann ihn ein Schwarm von Armen
Lautjauchzend preist:

Damit, nach unerhörten Plagen,
In heitrern Tagen,
Der Landmann sich erfreu,
Jetzt seine wüsten Felder baue,
Und, sicher vor der Tyranney,
Auf Heerdenvoller Aue
Selbst glücklich sey!


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