2013-07-31

Meine Lieblingsgedichte- "Die Forelle"-Christian Friedrich Daniel Schubart - Platz 23



Platz  23

Die Forelle

In einem Bächlein helle,
Da schoß in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber, wie ein Pfeil:
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süsser Ruh
Des muntern Fischleins
Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Ruthe
Wol an dem Ufer stand,
Und sah’s mit kaltem Blute,
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht’ ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.

Doch endlich ward dem Diebe
Die Zeit zu lang; er macht
Das Bächlein tückisch trübe:
Und eh’ ich es gedacht,
So zuckte seine Ruthe;
Das Fischlein zappelt dran;
Und ich, mit regem Blute,
Sah die Betrogne an.

von Schubert nicht vertont:

Ihr, die ihr noch am Quelle
Der sichern Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle;
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
Der Klugheit; Mädchen, seht
Verführer mit der Angel –
Sonst blutet ihr zu spät


Schubart war für seine Zeit ein außergewöhnlich mutiger und sozial engagierter Schriftsteller. Seine Kritik am Verkauf württembergischer Bürger für Englands Kolonialkrieg kosteten ihn 10 Jahre seines Lebens. Man lockte ihn auf württembergischen Boden und sperrte ihn 10 Jahre auf die Festung Asperg ein. 
Schubert wurde in ganz Deutschland als Freiheitsheld gefeiert und auch die 10 Jahre Kerkerhaft konnten diesen aufrechten Mann nicht brechen. 
Die Lyrik Schubarts ist von Kloppstock geprägt und es gelangen ihm einige wenige Gedichte in einem volksliedhaften Ton. Wie in seinen Prosaschriften klagt Schubart auch in seiner Lyrik die Herrschenden an und tritt für die unteren sozialen Schichten ein.
Das Gedicht "Die Forelle" schrieb der Dichter während seiner Festungshaft und Parallelitäten zu seinem eigenen Schicksal sind nicht zu übersehen. Die später hinzugefügte 4 Strophe soll das wahrscheinlich nur verdecken. Das Lied wurde von Franz Schubert vertont und gehört zu seinen bekanntesten Liedern.


Der Bettelsoldat

Mit jammervollem Blicke,
Von tausend Sorgen schwer,
Hink' ich an meiner Krücke
In weiter Welt umher

Gott weiß, hab' viel gelitten,
Ich hab' so manchen Kampf
In mancher Schlacht gestritten,
Gehüllt in Pulverdampf.

Sah manchen Kameraden
An meiner Seite todt,
Und mußt’ im Blute waten,
Wenn es mein Herr gebot.

Mir drohten oft Geschütze
Den fürchterlichsten Tod,
Oft trank ich aus der Pfütze,
Oft aß ich schimmlicht Brod.

Ich stand in Sturm und Regen
In grauser Mitternacht,
Bei Blitz und Donnerschlägen,
Oft einsam auf der Wacht.

Und nun nach mancher Schonung,
Noch fern von meinem Grab,
Empfang' ich die Belohnung –
Mit diesem Bettelstab.

Bedeckt mit dreizehn Wunden,
An meine Krück’ gelehnt,
Hab' ich in manchen Stunden
Mich nach dem Tod gesehnt.

Ich bettle vor den Thüren,
Ich armer lahmer Mann!
Doch ach! wen kann ich rühren?
Wer nimmt sich meiner an?

War einst ein braver Krieger,
Sang manch Soldatenlied
Im Reihen froher Sieger;
Nun bin ich Invalid.

Ihr Söhne, bei der Krücke,
An der mein Leib sich beugt,
Bei diesem Thränenblicke,
Der sich zum Grabe neigt;

Beschwör' ich euch – ihr Söhne!
O flieht der Trommel Ton
Und Kriegstrommetentöne!
Sonst kriegt ihr meinen Lohn.



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