2013-08-29

Conradi und Lingg- Gedichte Heimkehr Teil 9



Teil 9



Hermann Conradi

Heimkehr?

 Wie bin ich nur so jäh hierher verschlagen
In dein entfremdet Reich, Waldeinsamkeit?
Zu Gast war ich in schicksalskühnen Tagen
Des Südens formgewalt'ger Heiterkeit!

Und wieder nun des Nordlands Thymiandüfte
Und seiner Erlenwälder Herbstmusik?
Ein müder, Summender Wind ... und träumende Wolkenbilder ...
Nach Mitternacht des Mondes Nebelblick ...

Und meiner Heimat längstvergessene Sprache ...
Und längst vergessener Menschen Angesicht –
Wie alles sich einschmeicheln will! – Ich starre
In meines Morgenrots erloschenes Licht ...

Habt ihr mich wieder? – Bin ich fremd geworden? –
Braunrot quillt auf des Abends Dunstgeflecht ..
Weit ... weit das Land ... die weißen Nebel leuchten –
Zu mir tritt meiner Sehnsucht Lichtgeschlecht –

Dort, wo das Leben reinere Glieder rundet,
Zu größerer Fülle seine Kräfte stimmt,
Möcht' ich mit dir, Geliebte, sonnumstundet
Mein Sein verträumen, bis es sanft verschwimmt ...

Wir lugen weit ... weit übers Meer, das blaue –
Um stillere Inseln noch wirbt unser Blick ...
Und wenn ich dann in deine Augen schaue,
Find' ich erschweigend mein intimstes Glück ...

Zu Zeiten, die gewesen ... ungewesen ...
Beruhigt unsere Gegenwart verfließt ..
Und von der Dämmerung Schattenspiel genesen,
Ward uns der Geist, der lichterfüllt genießt –

Bis er, am Horizont ein Wolkenstäubchen,
Darauf die Sonne lag mit mildem Glühn,
Sich sanft entkräuselt ... Weiter rollen Stunden ...
Und Jahre, Menschen, Sterne weiterziehn ...

Geliebte Heimat, den nun deine Krume
Zum letztenmal mit ihrem Herbst genährt –
Verzeihe ihm! Gib ihm zum Abschied deine letzte Blume –
Und laß ihn ziehn, der deiner nicht mehr wert ...
Hermann Lingg

Heimkehr

 In meine Heimath kam ich wieder,
 Es war die alte Heimat noch,
 Dieselbe Luft, dieselben Lieder,
 Und alles war ein andres doch.

Die Welle rauschte wie vor Zeiten,
 Am Waldweg sprang wie sonst das Reh,
 Von fern erklang ein Abendläuten,
 Die Berge glänzten aus dem See.

 Doch vor dem Haus, wo uns vor Jahren
Die Mutter stets empfing, dort sah
 Ich fremde Menschen, fremd gebahren;
 Wie weh, wie weh mir da geschah!

 Mir war, als rief es aus den Wogen:
 Flieh, flieh, und ohne Wiederkehr!
Die du geliebt, sind fortgezogen,
 Und kehren nimmer, nimmermehr.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de