27.08.2013

Das Reich des Gesanges-T.Körner u. W.Hauff-Gedichte (5)


Teil 5



Theodor Körner

Das Reich des Gesanges

Was waltet süß in heil’ger Macht,
Was schimmert in der Sterne Pracht,
  Dem Himmlischen verschwistert?
Wer lichtet uns der Erde Grund?
Wem tönt das Lied aus Sängers Mund,
  Das durch die Saiten flüstert?
    Hoch entwogend
    Schwillt der Busen,
    Und die Musen
    Treten näher,
Froh umschweben sie den Seher.

Und in den Tönen wird es klar
Und stellt sich kühn dem Auge dar,
  Als Götterbild zu prangen.
Die Harmonie ergreift das Herz
Und schwingt sich mit ihm himmelwärts
  Und will das Wort empfangen.
    Mächtig, prächtig,
    Nie versunken
    Glänzt der Funken,
    Hingezogen
Fliegen sie durch luft’ge Wogen.

Und höher als des Tages Licht
Entfliehen sie, ermatten nicht,
  Da blüht das Reich der Lieder;
Da funkelt Hellas’ Poesie,
Und jauchzend stürzt die Harmonie
  Zu ihren Füßen nieder.
    Klingend, singend
    Schimmern Sterne
    In der Ferne;
    Über Sonnen
Ist des Sängers Ziel gewonnen.
Wilhelm Hauff

Grabgesang
       
Vor des Friedhofs dunkler Pforte
    Bleiben Leid und Schmerzen stehn,
Dringen nicht zum heil'gen Orte,
    Wo die sel'gen Geister gehn,
Wo nach heißer Tage Glut
Unser Freund im Frieden ruht.

Zu des Himmels Wolkentoren
    Schwang die Seele sich hinan,
Fern von Schmerzen, neugeboren,
    Geht sie auf – die Sternenbahn;
Auch vor jenen heil'gen Höhn
Bleiben Leid und Schmerzen stehn.

Sehnsucht giesset ihre Zähren
    Auf den Hügel, wo er ruht:
Doch ein Hauch aus jenen Sphären
    Füllt das Herz mit neuem Mut;
Nicht zur Gruft hinab – hinan,
Aufwärts ging des Freundes Bahn.

Drum auf des Gesanges Schwingen
    Steigen wir zu ihm empor,
Unsre Trauertöne dringen
    Aufwärts zu der Sel'gen Chor,
Tragen ihm in stille Ruh
Unsre letzten Grüße zu.

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