30.08.2013

Deutsche Autoren zum Thema "Heimkehr" (R.Dehmel, K.Stamm 13)


Teil 13




Karl Stamm 

Heimkehr

Wir haben keinen Sieg erfochten,
nicht jubelnde Begeisterung
hat uns ihr Laub ins Haar geflochten,
nicht Schlachtgetümmel hielt uns jung.
Wir haben lang in harter Zeit
Den Leib und auch den Geist kasteit
Wir schreiten ohne Kranz und Ruhm
und keines Sängers Lieder singen
von uns und unserem Vollbringen.
Wir leben stilles Heldentum.

Wir kehren von des Landes Grenzen
zu Dir, o Heimat, stumm zurück,
und nur der Augen feuchtes Glänzen
verrät bewegt von Innern Glück:
Noch stehn wie einst die blühnden Städte!
O Fluss! O See! Du liebes Tal!
Und hinter jeder Hügelkette
gibt uns von neuen Dörfern Kunde
der Glocken dröhnendes Metall.

Da überwältigt uns die Stunde
und reisst uns alle mit sich fort.
Das Herz hat lang genug geschwiegen!
Es lässt das Herz sich nicht besiegen!
Das bange Schweigen wird zum Wort.
Was wir in Träumen längst gesehn
will plötzlich vor uns auferstehn.
Dem Stärksten zittert leis die Hand:
Der Traum ist aus! Der Traum wird wahr!
O Heimat! Heimat! nah und wunderbar!
Sei uns gegrüßt, geliebtes Land! 
Richard Dehmel

Die Heimkehr

Der Seemann kommt vom Krieg zurück,
so sacht;
verbrannt so sehr, verstaubt so sehr -
"Wo kommst du, armer Seemann, her?
so sacht, so sacht?"

Frau Wirtin, ich komme vom Krieg zurück,
so sacht.
"Schnell Wein! vom weißen! so macht doch flink!
Nun, armer Seemann, komm und trink!
so sacht, so sacht."

Der wackre Seemann sitzt und trinkt,
so sacht.
Er sitzt und hinkt und schaut ins Glas;
der Wirtin werden die Augen naß,
so sacht, so sacht.

Was habt Ihr, schöne Frau Wirtin, sagt!
so sacht?
Tut Euer weißer Wein Euch Leid?
Der Seemann ist zum Gehn bereit!
so sacht, so sacht.

"Mein weißer Wein tut mir nicht leid,
so sacht;
mein toter Mann kam mir in Sinn,
Ihr ähnelt ihm an Mund und Kinn,
so sacht, so sacht."

O sagt mir, schöne Frau Wirtin, sagt,
so sacht:
zwei Kinder, hört ich, hattet Ihr
von Euerm Mann - nun habt Ihr vier?!
so sacht, so sacht?

"Man hat mir manchen Brief geschickt
so sacht,
und zeigte seinen Tod mir an,
da nahm ich einen andern Mann,
so sacht, so sacht."

Der wackre Seemann leert sein Glas,
so sacht.
ohne Dank, mit schwerem Blick,
ging er zu seinem Schiff zurück,
so sacht, so sacht.

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