2013-08-29

Deutscher Dichter Zum Thema "Heimkehr" Teil 7



Teil 7




Karl Gerok

Sohnes Heimkehr

Schon sieht er vom letzten der Hügel
Im Tale sein väterlich' Haus,
Wie gibt ihm die Liebe da Flügel,
Wie eilt er dem Winde voraus!

Da sind sie, die Pfade, die Gassen,
In denen der Knabe gespielt,
Die wandernd der Jüngling verlassen,
Doch treulich im Herzen behielt.

Wie grüßt ihn manch trauliche Stelle,
Doch halt ihn nicht Eine jetzt auf,
Zur liebsten, zur heiligsten Schwelle
Beschwingt sich sein sehnlicher Lauf.

Dort sehn sie vom Fenster den Wandrer,
Erkennen den Bruder, den Sohn,
„Er ist es — bei Gott — und kein andrer,"
Er stürmt in die Türe ja schon.

„Gott grüß euch, ihr Guten, ihr Lieben,
Da habt ihr den Schwärmer zurück,
Und seid ihr gesund mir geblieben,
Verlang' ich kein größeres Glück!"

„Gott grüß dich, geliebtester Knabe,
Wie wardst du so stark und so groß!
Hinweg nun mit Hut und mit Stabe,
Nun lassen wir nimmer dich los!""

Empfangen von liebenden Armen,
Ein liebendes Herz in der Brust,
Im Schoße der Heimat erwarmen,
Was gibt es für süßere Lust?
Wilhelm Hertz

Heimkehr

Es steht ein Gartenhaus am Berge,
     Da tönt’ es einst in schönen Tagen
Wie wonnig bräutliches Geflüster,
     Wie süßes Fleh’n und sanft Versagen.

Da war es, als die Reben blühten
     Und traulich sich durch’s Gitter schlangen,
Das ich mit tollen, sel’gen Armen
     Mein erstes Jugendlieb umfangen.

Was führt mich aus den weiten Landen
     Gerade hier mein Weg vorüber?
Das lust’ge Haus ist längst zerfallen,
     Und weiße Flocken wehen drüber.

Und auf dem wankenden Gebälke,
     Da lagern heis’re Dohlenschaaren. –
Wer denket wohl an dieser Stätte,
     Das hier zwei Menschen glücklich waren?

Vorbei, vorbei, ihr Erkerthore!
     Erkennt ihr mich, ihr alten Gassen?
Ihr seid mir treu und hold geblieben,
     Mein Lieb, das hat mich längst verlassen.

Und durch des Volkes ems’ge Schaaren,
     Da schnauben stolze Berberrosse,
Ein hohes Weib mit bleichen Wangen
     Sitzt düster in der Staatskarrosse.

Ihr grauer, gichtgekrümmter Gatte
     Lehnt laß und mürrisch ihr zur Seiten;
Ihr Haupt ist auf die Hand gesunken, –
     Denkt sie vielleicht vergang’ner Zeiten?

Ich stand noch tränentrüb am Wege,
     Da sie schon längst vorbeigefahren. –
Wer denkt wohl von uns beiden Menschen,
     Das wir zusammen glücklich waren?

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