2013-08-01

Einführung und Gedichte zum Thema Wald 1



Der Wald ist schon seit Jahrhunderten Gegenstand der deutschen Dichtung, wird aber seit der Romantik als Sinnbild von Germanentum und deutscher Kultur dargestellt und oft auch mystisch verklärt. Der sogenannte "Deutsche Wald" wird in der Dichtung als unverfälschte Natur dargestellt, sozusagen als heile Welt, die es gilt wieder herzustellen. Besonders bei Eichendorff rauschen und flüstern die Wälder und für ihn ist er ein Sehnsuchtsmotiv und ein Sinnbild für die anzustrebende deutsche Einheit. Aber die Bezeichnung Eichendorffs als Dichter des deutschen Waldes wird ihm sicher nicht gerecht, da in seinen Gesamtwerk dieses Motiv zwar einen größeren Raum einnimmt aber sich bei weiten nicht darauf beschränkt. 

Auch in den Befreiungskriegen gegen Napoleon wird der deutsche Wald als Sinnbild für ein deutsches Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Begriff "deutsche Eiche " wurden in dieser Zeit geprägt der für Stärke und Dauerhaftigkeit steht. 
Nach der Herstellung der deutschen Einheit 1872, werden dem Wald auch Soziale-Bildungs- und Gesundheitsfunktionen zugeordnet. Es entstanden zahlreiche Wanderorganisationen die Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Naturverbundenheit von ihren Mitgliedern forderten. 

In meiner Sammlung finden Sie auf 17 Seiten etwa 40 Gedichte die vom Barrock bis zum Ende der Weimarer Republik reichen. Die Sammlung zeigt wie sich innerhalb von 250 Jahren Form und Inhalt der "Walddichtung" verändern und sich den gesellschaftlichen Verhältnissen anpasst. Die Sammlung endet mit einem Gedicht von Klabund, da in der Folgezeit der Begriff des Waldes in der Naziideologie mißbraucht und entstellt wird.



Simon Dach

Du stiller Wald von Anmuht reich

 Du stiller Wald von Anmuht reich,
Du freyes Feld, ihre klahre Quellen,
Die wie Christall vnd Bernstein hellen,
Ich halt am besten es mit euch:
Ihr reisst mich von dem Hoffgetümmel
Vnd zeigt mir hie den freyen Himmel.

Hie herbergt Lieb vnd Sicherheit,
Hie schlägt vnß mehr des Höchsten Güte
Alß in den Städten zu Gemühte,
Da falsche Gunst, geschmückter Neid,
Stoltz, Eigennutz vnd tausend Sünden
Mit tausent Straffen sich verbinden.

Du süsse LandRuh, nimm mich an,
Hie wil ich gern geruhig alten,
Wo stets von meinem Wolverhalten
Selbs Lufft vnd Himmel zeugen kan:
In ärgerlichen Städten leben
Ist zwischen Hell vnd Himmel schweben.
Johann Rist

An den dichten Wald

 Spielet sanft, ihr schlanken Zweige,
Spielet, weil der Tag ist hell,
Eh' auch Phöbus läuft zur Neige,
Spielet meiner Florabell;
Helfet mir, mit süßen Weisen
Diese Menschengöttin preisen.
Zweiglein sauset in die Wette
Gleichsam einen Lobgesang,
Eh' die Schönste geht zu Bette
Und man hört der Frösche Klang;
Denn wil ich die Stimm' auch schwingen,
Florabellen zu besingen.
Neiget euch doch bald, ihr Eichen,
Gar zur Erden mit Begier!
Florabellen seh' ich schleichen
Hinter jenem Busch herfür.
Ach, was trag' ich groß Verlangen,
Florabellen zu empfangen!
O du schönster Tag im Lenzen,
Phöbus machet dich zwar rein,
Nun ich aber sehe glänzen
Florabellen Aeugelein,
Wirst du schöner als die Sonne;
Eile doch, mein Herz und Wonne!
Ja, sie komt mit sanften Schritten!
Denket, welch ein' Himmelspracht!
Dicker Wald, laß dich erbitten,
Oeffne dich mit ganzer Macht,
Denn so wil ich näher treten,
Florabellen anzubeten.
Florabella, laß mich knieen
Nur für deiner Majestat!
Daphnis wil nur vollenziehen,
Was er dir versprochen hat;
Laß ihn, sol er nicht verderben,
Schönste, deinen Schlaven sterben.

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