2013-08-27

Gedichte zum Thema Heimkehr Teil 1


Teil 1




Wilhelm Müller

 Vor der Türe meiner Lieben
 Häng ich auf den Wanderstab,
 Was mich durch die Welt getrieben,
 Leg ich ihr zu Füßen ab.

Wanderlustige Gedanken,
 Die ihr flattert nah und fern,
 Fügt euch in die engen Schranken
 Ihrer treuen Arme gern!

 Was uns in der weiten Ferne
Suchen hieß ein eitler Traum
 Zeigen uns der Liebe Sterne
 In dem traulich kleinem Raum.

 Schwalben kommen hergezogen –
 Setzt euch Vöglein, auf mein Dach!
Habt euch müde schon geflogen,
 Und noch ist die Welt nicht wach.

 Baut in meinen Fensterräumen
 Eure Häuschen weich und warm!
 Singt mir zu in Morgenträumen,
Wanderlust und Wanderharm!
Adelbert von Chamisso

Des Gesellen Heimkehr

Wer klopft so stark? wer begehrt ins Haus?
Ich schließe nicht auf, mein Eh'herr ist aus.

»Und sag' ich dir an, der klopft, ist dein Sohn,
O, Mutter, o, Mutter! so öffnest du schon.«

Was kehrtest du heim, mein Sohn, so geschwind,
Bevor noch die Jahre verstrichen sind?

»Ich kehrte heim – ich war wohl betört –
Hast, Mutter, du nie vom Heimweh gehört?«

Mein Mann, befürcht' ich, vernimmt's nicht gern;–
O weh', das ich freite den anderen Herrn!

»O weh', das dem Zweiten du hin dich warfst,
Und nicht mit dem Sohne dich freuen mehr darfst!«

Mein Sohn, o schone der Mutter dein,
Und laß das Gericht nur Gottes sein!

»O, meine Mutter! – doch mache mir kund,
Wo weilt die Christel zu dieser Stund'?«

Mein Mann ist streng, unfreundlich fast,
Er trieb aus dem Haus den ihm lästigen Gast.

»Des Sohnes Braut aus dem Hause gejagt. –
So auch den Sohn, sei Gott es geklagt!

Das Heimweh trieb, ich kam geeilt,
Die Heimat hat gar bald mich geheilt.

Und falls Frau Mutter mich länger nicht hält,
Möcht' weiter ich zieh'n in die weite Welt.

Wohin – wen kümmert's – auf gutes Glück,
Und käme vielleicht so bald nicht zurück.

Ade! du gibst deinen Segen mir doch –
Und Gott, vielleicht, erbarmet sich noch!«

So schied er, und wandte zu gehen sich um;
Die Mutter verharrte zitternd und stumm.

Und wie hinab er die Straße gewallt,
Am Thor, vor der Wache, da macht er Halt.

Stand Christel dort im Soldatenschwarm,
Und hing verbuhlt dem einen im Arm.

Wie aber sie erst den Gesellen erschaut,
Verhüllt' sie ihr Antlitz und weinte laut.

Da haben umher die Soldaten der Wacht
Mit lärmendem Jubel sie ausgelacht.

Er hat nicht gelacht, er hat nicht geweint,
Er starrte sie an und war wie versteint.

Er raffte sich endlich, endlich auf,
Und stürzte hinaus mit schnellerem Lauf.

Wohin? wen kümmert's? man weiß es nicht,
Erzählt sich zur Kurzweil nur manche Geschicht'.

Er war hienieden so ganz verarmt,
Hat Gott vielleicht sich seiner erbarmt?

Sein Nam', als eines Verschollenen, hat
Zu dreimal gestanden im Wochenblatt.

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