2013-08-30

Gustav Falke: Heimkehr- Gedicht 12


Teil 12





 Gustav Falke

Heimkehr

Wanderer:

Von Weitem winkte deiner Wipfel Gruß
dem müden Wandrer, dunkelschattiger Hain.
Erquickung hoffend, tritt des Matten Fuß
in dieses Friedens stillen Zauber ein.
Ein Wundersames lockt und treibt von hinnen,
und heilige Schauer fühl ich mich durchrinnen.

Die Lockung siegt. So bin ich denn dein Gast
und trete ein mit frommem Dankgefühl,
beseligt sink ich hin zur kurzen Rast
auf deiner Moose schwellend weichen Pfühl.
Kaum strecken sich zur Ruh die müden Glieder,
läßt schon auf sie der sanfte Schlaf sich nieder.


Genien (nahen und singen, ihn um schwebend):

Der so lange uns entwichen,
haben wir ihn nun gefunden,
halten wir ihn fest gebunden
wie in Tagen, die verstrichen?

Mit des Mohnes rotem Kranze
laßt uns seine Schläfe schatten
und auf weichen, blumigen Matten
singen ihm bei leichtem Tanze.

Wie wir schweben, ab uns neigen,
wieder dann zu ihm uns wenden,
immer munter, ohn' zu enden
unsres Gaukelspieles Reigen,

spiegelt sich in seinen Träumen
eine Welt nun von Gestalten,
die, ihn lieb zu unterhalten,
nahn aus Erd: und Himmelsräumen.


Wanderer:

Welch süßes Lied hör ich und wie bekannt,
als tönte es aus meiner Kindheit Tagen,
ein leiser Gruß von längst versunknem Strand,
nach dem zurück mich keine Winde tragen.


Genien:

Wie ihm noch die Worte fließen.
Unser Lied und Mohnessäfte
wirken bald vereinte Kräfte,
das ihn ganz die Fesseln schließen.

Leis, geschäftig auf und nieder
summend wie ein Schwarm von Mücken,
seht, Beharren muß es glücken,
Lippen schließen sich und Lider.

Mag, den Schläfer zu begrüßen,
nun die Herrin auch erscheinen.
Uns, die pflichtgetreuen Kleinen,
treibt es fort auf schnellen Füßen.

Flüchtig, husch, durch Busch und Farren
jagen wir nach neuer Beute,
zu erfreuen würdige Leute
und die närrischen zu narren.

(Verschwinden.)


Die Muse:

So zog dich doch zuletzt der dunkle Drang
zurück in meines Heiligtumes Frieden.
Was blendete, was lockte dich, das lang
dein irrer Fuß den rechten Weg gemieden?
Die reine Stätte, da er ausgegangen,
vergaß in unbefriedigtem Verlangen?

Ich glaubte dich durch meinen Kuß geweiht,
dich mit den reinsten Kräften ausgerüstet.
Du aber fielst mit deinem Ich in Streit,
vom Niedrigen umworben und umlüstet,
vor Götzen sah ich dich, vor selbsterkorenen,
und schämte mich des Sohnes, des Verlorenen.

Nicht richten will ich, da du müde nahst
der alten, mütterlichen Stätte wieder.
Die trauten Bilder, die du frühe sahst,
die nie vergessnen Klänge alter Lieder,
sie mögen dir der Heimat Grüße bringen,
zu mir zurück dich, den Entwichenen, zwingen.

Denn niemals ganz vermag, die ich entfacht,
die heil'ge Glut in deiner Brust zu sterben.
Wohl konntest dienen du der fremden Macht,
doch niemals ganz in ihrem Dienst verderben.
Ein Ewiges lebt, ein Reines, mir entstammt,
das stets aufs neue schöner dich entflammt.

Und so nun schlummre unter meinem Dach
den holden Schlaf ins neue Sein hinüber.
Nichts Schweres folgt, nichts Drückendes dir nach,
Vergangenes ruh, ein Schleier fall darüber.
Was du auch fehltest, jeden Irrtum hebet
ein reiner Wille, der nach Wahrheit strebet.

(Sie Kult ihn und verschwindet.)


Wanderer (erwachend):

Goldne Lichter sah ich fließen
von dem Scheitel wunderbar,
hörte lieblich sich ergießen
Redestrom wie Sonne klar.

Wie gekommen, so entschwunden,
hoheitsvolle Lichtgestalt,
wieder hab ich tief empfunden
deines Wesens Allgewalt.

Dein Wort vernahm ich, Herrliche, den Hauch
noch deines Kusses spür ich auf den Wangen,
seh dort von jenem blütenvollen Strauch
Lichttropfen noch von deinem Glanze hangen.
Mit neuen Blumen, junger Farben Pracht
hat sich um mich die Matte hier geschmückt,
da sich in dieses Waldes schattige Nacht
die Lichtspur deines Fußes eingedrückt.

Wie anders klingt der Vögel süßes Lied
dem Ohre jetzt; den Duft, der aufwärts zieht
aus tausend Kelchen, atme ich wonnig ein
und fühle nun im Herzen mein
sich gleichfalls tausend Blüten regen,
fühl es im Innern sich bewegen,
als wollte das begrenzte Feld
erweitern sich zu einer frühlingsschönen Welt.

Ja, eine Welt mit Schaffensgewalt
drängt nach Gestalt.
Es regen sich des Lebens Säfte,
es bilden sich geheimnisvolle Kräfte,
ein Lichtermeer, bald sternenklar und kühl,
bald lodernd heiß wie tausend Sonnen,
erschließt mir seinen Strahlenbronnen.

Und tief im Schacht
geheimnisvoller Nacht
nur Geisteraugen bloß.
Schätze groß
harren des Lichts.
Aus tausend Quellen bricht's
belebend nach oben.
Aus tausend Kehlen loben
herrliche Töne
das ewig Schöne.

Muse, Begeisterin,
himmlische Meisterin,
bleibe mir hold.
Führe zur Klarheit mich,
leit' zu der Wahrheit mich
leuchtendem Gold.

Fülle mit klingendem,
Herzen bezwingendem
Stoff meinen Geist,
das er in zündenden,
Liebe verkündenden
Werken dich preist.

Liebe, Begeisterin,
Allesbemeisterin,
Muse, bist du.
Führest aus dunkelnden
Tälern den funkelnden
Sternen uns zu.

Wo über Welten, noch
reiner erhellten, hoch
glänzt der Thron,
winket dem Ringenden,
endlich Vollbringenden

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