27.08.2013

H.Heine und M.v.Strachwitz zum Thema Heimkehr (3)


Teil 3




Heinrich Heine

Die Heimkehr

Mein Herz, mein Herz ist traurig,
doch lustig leuchtet der Mai;
ich stehe, gelehnt an der Linde,
hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh,
ein Knabe fährt im Kahne,
und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich,
in winziger, bunter Gestalt
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mägde bleichen Wäsche,
und springen im Gras herum:
das Mühlrad stäubt Diamanten,
ich höre sein fernes Gesumm.

Am alten grauen Turme
ein Schilderhäuschen steht;
ein rotgeröckter Bursche
dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte,
die funkelt im Sonnenrot,
er präsentiert und schultert -
ich wollt, er schösse mich tot.
 Moritz v. Strachwitz

Heimkehr aus Amerika

 Sei mir gegrüßt am Straßenrand,
 Mein alter Markenstein!
 Ich fahre in mein Vaterland,
 Mein Vaterland hinein.

 Du Land, in dem ich strebt’ und stritt,
 Wie bist du grün und schön!
 Du Luft, in der ich lebt’ und litt,
 Wie duftig ist dein Weh’n!

 Du Strom, auf dem mein Segel schwoll,
 Wie leuchtet deine Flut!
 Du Wald, in dem mein Horn erscholl,
 Wie klingt dein Rauschen gut!

 Du aber bist noch, herz’ger Schatz,
 Wie immer schön und süß,
 Und Alles steht am alten Platz,
 Da, wo ich’s stehen ließ.

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