30.08.2013

Meine Lieblingsgedichte- Justinus Kerner-Der Wanderer in der Sägemühle Platz 15



Justinus Kerner

Der Wanderer in der Sägemühle

Dort unten in der Mühle
Saß ich in süßer Ruh',
Und sah dem Räderspiele,
Und sah dem Wasser zu.

Sah zu der blanken Säge,
Es war mir wie ein Traum,
Die bahnte lange Wege
In einen Tannenbaum.

Die Tanne war wie lebend;
In Trauermelodie,
Durch alle Fasern bebend,
Sang diese Worte sie:

Du kehrst zur rechten Stunde,
O Wanderer, hier ein;
Du bist's, für den die Wunde
Mir dringt in's Herz hinein;

Du bist's für den wird werden,
Wenn kurz gewandert du,
Dies Holz im Schoss der Erden
Ein Schrein zur langen Ruh'.

Vier Bretter sah ich fallen,
Mir ward's um's Herze schwer;
Ein Wörtlein wollt' ich lallen,
Da ging das Rad nicht mehr.

Justinus Kerners Stil ist recht einfach was aber dem Gedicht "Der Wanderer in der Sägemühle" zugute kommt. Wenn man nicht wüsste das das Gedicht von Kerner ist könnte man meinen es wäre, um eine Beispiel zu nennen, von Eichendorff dessen Gedichte einen ähnlichen einfachen und volkstümlichen Ton besitzen. Kerner sind allerdings im Gegensatz zu Eichendorff nur wenige solcher Gedichte gelungen. 

Rückkehr


In dem Tal, wo Burgen hangen
An manch wald'ger Bergeswand,
Wo du oft als Kind gegangen
Sorglos an der Unschuld Hand,

Ging ich jüngst verlassen, Liebe!
Einsam und entfernt von dir.
Wie ich's so bedachte trübe,
Tratest du als Kind zu mir,

Zeigtest mir aus schönem Tale
Eine Blume licht und blau,
Wunderhell im Morgenstrahle
Sah aus ihrem Kelch der Tau.

Über Berge sah ich fliehen
Dann dein kindlich liebes Bild,
Wie sich Wölklein still entziehen,
War es bald dem Blick verhüllt.

Ist mir auch das Kind verschwunden,
Ist es doch die Blume nicht,
Wieder hab ich die gefunden
Heut in deines Auges Licht.







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