2013-09-05

An die Freude-Gedichte zur Freude (5)



Teil 5






Friedrich von Hagedorn

An die Freude

        Freude, Göttin edler Herzen!
                Höre mich.
Laß die Lieder, die hier schallen,
Dich vergrössern, dir gefallen:
Was hier tönet, tönt durch dich.

        Muntre Schwester süßer Liebe!
                Himmelskind!
Kraft der Seelen! Halbes Leben!
Ach! was kann das Glück uns geben,
Wenn man dich nicht auch gewinnt?

        Stumme Hüter toter Schätze
                Sind nur reich.
Dem, der keinen Schatz bewachet,
Sinnreich scherzt und singt und lachet,
Ist kein karger König gleich.

        Gieb den Kennern, die dich ehren,
                Neuen Muth,
Neuen Scherz den regen Zungen,
Neue Fertigkeit den Jungen,
Und den Alten neues Blut.

        Du erheiterst, holde Freude!
                Die Vernunft.
Flieh, auf ewig, die Gesichter
Aller finstern Splitterrichter
Und die ganze Heuchlerzunft!
Ludwig Heinrich Christoph Hölty

Aufmunterung zur Freude

Wer wollte sich mit Grillen plagen,
So lang uns Lenz und Jugend blühn;
Wer wollt', in seinen Blüthentagen,
An finstrer Schwermut Altar knien!

Die Freude winkt auf allen Wegen,
Die durch dieß Pilgerleben gehn;
Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen,
Wenn wir am Scheidewege stehn.

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,
Noch ist die Laube kühl und grün;
Noch scheint der liebe Mond so helle,
Wie er durch Adams Bäume schien.

Noch macht der Saft der Purpurtraube
Des Menschen krankes Herz gesund;
Noch schmecket, in der Abendlaube,
Der Kuß auf einen rothen Mund.

Noch tönt der Busch voll Nachtigallen
Dem Jüngling süße Fühlung zu;
Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,
Selbst in zerrißne Seelen Ruh.

O wunderschön ist Gottes Erde,
Und wert darauf vergnügt zu sein;
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun!

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