2013-09-30

Das Alter-deutsche Gedichte von E.M.Arndt und F.v.Saar (7)







Ferdinand von Saar

Alter

Das aber ist des Alters Schöne, 
dass es die Saiten reiner stimmt, 
dass es der Lust die grellen Töne, 
dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt. 

Ermessen lässt sich und verstehen 
die eigne mit der fremden Schuld, 
und wie auch rings die Dinge gehen, 
du lernst dich fassen in Geduld. 

Die Ruhe kommt erfüllten Strebens, 
es schwindet des Verfehlten Pein - 
und also wird der Rest des Lebens 
ein sanftes Rückerinnern sein.
Karl May

Im Alter

Ich bin so müd, so herbstesschwer
Und möcht am liebsten scheiden gehn.
Die Blätter fallen rings umher;
Wie lange, Herr, soll ich noch stehn?
Ich bin nur ein bescheiden Gras,
Doch eine Aehre trag auch ich,
Und ob die Sonne mich vergaß,
Ich wuchs in Dankbarkeit für dich.

Ich bin so müd, so herbstesschwer
Und möcht am liebsten scheiden gehn,
Doch, brauche ich der Reife mehr,
So laß mich, Herr, noch länger stehn.
Ich will, wenn sich der Schnitter naht
Und sammelt Menschengarben ein,
Nicht unreif zu der Weitersaat
Für dich und deinen Himmel sein.

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