2013-09-30

Deutsche Dichter zum Thema das "Alter" Teil 6





Ernst Moritz Arndt

Frühling im Alter

Singen die Vöglein im grünen Wald,
Klingen die Bächlein bergunter,
Lockt es den Alten mit Lustgewalt,
Klopfet das Herz ihm so munter:
Denket der Wonnen verschienener Lenze,
Denket der Kränze und denket der Tänze,
Fallen auch Tränen herunter.

Singet und klinget! das Heute ist mein,
Heut will ich singen und klingen
Lustig mit spielenden Kindern feldein
Fröhlich mit fröhlichen Dingen,
Will mir bekränzen die Locken, die greisen:
Bald muß ich hinnen und wandern und reisen,
Wo mir die Vögel nicht singen.
Justinus Kerner

Alter und Winter

 Alter und Winter, Herbheit der Natur!
O das man auch im Kampf der Elemente
Noch duftend wie die Blume sterben könnte!
Doch ach! man stirbt nicht, man vertrocknet nur.

Und so vertrocknet lebt man sich zum Spott,
Hört jahrelang an seiner Bahre zimmern,
Bis endlich fällt saftlos der Leib in Trümmern,
Und wo die Seele hinfährt, weiß nur Gott.
Robert Eduard Prutz

Alter und Jugend

Ihr könnt nicht uns verstehen
Und wir nicht euren Rat,
Wohlan, so last uns gehen
Ein jeder seinen Pfad.
Ihr legt die Stirn in Falten,
Ihr nennt euch selbst die Alten,
Die Nüchternen, die Kalten:
Und wir sind jung und wir sind frisch
Und wir sind rasch und wir sind risch,
Das kann nicht Friede halten.

Wir wollen euch nicht zürnen,
Ade, ihr alten Herrn!
Vor euren kahlen Stirnen
Beugt unser Knie sich gern.
Doch sagt, vor unsern Locken,
Vor unsers Flaumes Flocken,
Warum steht ihr erschrocken?
Auch euer Haupt war einmal braun,
Auch euer Auge konnte taun;
Nun aber ist es trocken.

Ihr habt ihn längst verloren,
Den Blick für unsre Welt,
Euch dünkt ein Spott der Toren,
Was uns die Seele schwellt.
Ihr mögt nur immer sagen,
Kopfschütteln nur und fragen,
Bedauern und beklagen:
Uns packt es an und reißt es fort,
Nun sind wir hier, nun sind wir dort,
Wir wollen einmal wagen.

Lebt wohl! – Zum letzten Male
Kreuzt unsre Bahn sich hier:
Ihr geht gemach im Tale,
Auf Klippen wandern wir.
Ruht aus in Abendgluten,
Beim Murmeln kühler Fluten
Wie eure Väter ruhten:
Denkt nie, daß ihr einst selber so
Wart jugendfrisch und jugendfroh –!
Das Herz müßt euch ja bluten.

Du aber, Reich der Jugend,
Steig auf, du ewig jung,
Du Göttereich der Tugend
Und der Begeisterung!
Und sollten wir verderben,
Wir wollen für dich werben,
Die Zukunft soll dich erben!
Das Alter mag im Lehnstuhl ruhn:
Doch will Gott uns was Gutes tun,

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