2013-09-28

Gedichte über das Alter von Logau, Opitz und Abschatz (1)








Martin Opitz

Einer Jungfrauen Klage über nahendes Alter

 Ach, wo ist nun die Zeit, in der man pflag zu gleichen
Der Rosen schöner Zier mein' edele Gestalt?
Ja freilich bin ich so, nun ich bin grau und alt.
Eh' als der Sonnen Glantz die Rose kan erreichen

So muß sie durch die Lufft der Nacht zuvor verbleichen
Und hat nur von dem Thau ein wenig Unterhalt;
So netzen mich jetzt auch die Threnen mannigfalt,
Weil ich die junge Zeit nun habe lassen schleichen.

Geht dann der Morgen an, so wird die Rose roth;
Ich werde schamroth auch, gedenck ich an die Noth.
Doch hab ich diesen Trost, daß gleich wie von den Winden

Die Rose, wann der Tag sich neigt, wird abgemeit,
So werd' auch ich, weil nun mein Abend nicht ist weit,
Kan ja es hier nicht seyn, doch Ruh' im Grabe finden.
Friedrich von Logau

Deß Menschen Alter

Ein Kind vergist sich selbst; ein Knabe kennt sich nicht;
Ein Jüngling acht sich schlecht; ein Mann hat immer Pflicht
Ein Alter nimmt Verdruß; ein Greiß wird wieder Kind:
Was meinstu, was doch diß für Herrligkeiten sind!
Hans Aßmann von Abschatz

Die vier Alter

 Ein Knabe/ der nun Fuß und Zunge brauchen kan/
Hebt gerne Kinderspiel mit seines gleichen an/
Zürnt und versöhnt sich leicht/ ist wandelbarer Sinnen/
Wünscht alle Stunden ihm was neues zu beginnen.
Ein Jüngling ohne Barth in Freyheit nun gestellt
Hat Hund und Pferde lieb/ streicht durch das freye Feld/
Zum Bösen weich/ als Wachs/ zum Straffen hart als Stahl/
Geneigt zum Geld-verthun/ thut langsam gutte Wahl,
Will leichtlich oben aus/ ist voll Begier und Lust/
Es wechseln Lieb und Haß gar bald in seiner Brust.
Bey nunmehr reiffem Mann ist alles umgewandt/
Er sucht durch Geld und Freund zu bessern seinen Stand/
Strebt Ruhm und Ehren nach/ vermeidet zu begehn/
Woraus ihm späte Reu und Schande kan entstehn.
Viel Ungelegenheit sieht man beym Alter blühn;
Es scharrt/ und will ihm doch selbst den Genüß/ Gebrauch entziehn/
Greifft alles furchtsam an und rechnet annoch weit/
Ist träge/ voll Verdruß/ schiebt gern auff längre Zeit/
Lobt seiner Jugend Thun/ und tadelt andrer Leben/

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