2013-09-28

Johann Gottfried Herder in Gedichten über das Alter (2)






Johann Gottfried Herder

Das Alter

Schwer zu tragen ists, das greise Alter, indeß gehts
     leise vorüber und löscht leise die Sinnen uns aus:
Kommt unsichtbar und macht, was jetzt wir sehen, unsichtbar;
     Ungesehenes kommt, Morgen für Morgen, ans Licht.
O des Menschenlebens in Wogen zerfließende Wogen!
Tage nach Tagen, sie gehn sanft in das Bette der Nacht.
Johann Gottfried Herder

Jugend und Alter

Ach der fröhlichen Jugend! und ach des traurigen Alters!
     Jener, daß sie so flieht; dieses, das es so eilt.
Johann Gottfried Herder

 Das Alter

Ein unsterbliches Übel beschied dem armen Tithonus
     Jupiter; schrecklicher ists als der gefürchtete Tod,
Greises-Alter. Sie sollt’ uns länger währen, die schöne
     Liebliche Jugend und flieht, wie ein wegeilender Traum.

Und dann hanget uns gleich das traurige häßliche Alter
     Ueber dem Haupt und gießt böse Verachtung auf uns,
Selbst gehaßt und verachtet. Es macht unkänntlich den Tapfern,
     Löscht die Augen, es löscht Muth und Gedanken ihm aus.
Er, der schönste voreinst; nun ist die Hora vorüber
     Und der Vater gefällt, Kindern und Freunden nicht mehr.
Johann Gottfried Herder

Im hohen Alter

Ach, ich Armer, wenn ich an die Jahre
Meines Lebens nun zurück gedenke,
Ach, von allen nicht ein Tag, der mein war!
Eitles Hoffen, trügendes Verlangen
Wünsche, Seufzer, Gram und Stolz und Liebe
(Was ein menschlich Herze je gefühlt hat,
Ist nicht neu mir!), Alles zog – wohin mich?
Ach, wie fern vom Guten und der Wahrheit!
Und ich gehe nach und nach zum Grabe,
Und der Schatte wächset, und die Sonne
Wird mir trüber; bald ersink' ich kraftlos.

Schwache Seele, da der Jahre Feile
Deinen müden Körper stündlich abnagt,
Ja, vielleicht in Kurzem Deine Bürde
Gar Dir abfällt, und Du Dich in anderm,
Deinem wahren Vaterlande findest –
Kannst Du immer noch den alten Trieben,
Die Dich Schwächern, Aeltern immer mehr ja
Drücken, geißeln, peinigen – noch dienen?
Ach, Du mußt! – O Gott, so leih mir Kräfte!
(Dir verhehl' ich's nicht: kleinmüthig neid' ich
Die entseelten Todten; also zittert
Vor mir meine Seele!) reiche Du mir
Du aus fernem, mir in fernem Lande
Deine milden Arme und entreiße

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de