31.10.2013

Einführung in Heines Heines Deutschland -Ein Wintermärchen




Deutschland. Ein Wintermärchen


Das Werk entstand im wesentlichen Teilen zwischen dem Dezember 1843 und März 1844. Erste Aufzeichnungen hatte Heine bei seiner Reise von Paris nach Hamburg gemacht, die ihn nach 12 Jahren Abwesenheit in Deutschland, im Herbst 1843 zu seiner Mutter nach Hamburg führte. Das Manuskript schickte Heine am 17. April 1844 an Campe der aber Bedenken wegen der Zensur äußerte und Heine zu Umschreibungen und Streichungen veranlasste. Um den sozialkritischen Inhalt des Werkes zu verschleiern brachte Campe das Wintermärchen zusammen mit anderen Gedichten unter dem neutralen Titel "Neue Gedichte" heraus. Trotzdem wurde das Werk bereits im Oktober 1844 in Preußen verboten und gegen Heine ein Haftbefehl erlassen. 

Das Werk insgesamt zeichnet ein pessimistisches Bild des politischen Deutschlands und Heines Kritik macht sich oft beißender Satire Platz. In den Anfangs-und Schlußversen entwickelt der Dichter ein sozialrevolutionäres Programm das unter dem Einfluss von Saint Simon steht:



(aus Caput I)

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Im Caput XXVII macht Heine klar an wem seine Verse vor allem gerichtet sind: 


Das alte Geschlecht der Heuchelei

Verschwindet Gott sei Dank heut,
Es sinkt allmählig ins Grab, es stirbt
An seiner Lügenkrankheit.

Es wächst heran ein neues Geschlecht,

Ganz ohne Schminke und Sünden,
Mit freien Gedanken, mit freier Lust -
Dem werde ich Alles verkünden.

Schon knospet die Jugend, welche versteht

Des Dichters Stolz und Güte,
Und sich an seinem Herzen wärmt,
An seinem Sonnengemüte.


Zwischen den Kapiteln liegt die Reise mit den  Stationen Aachen, Köln und Hamburg. Die Reise veranlasst den Dichter, aus dem fortschrittlichen Frankreich kommend, die deutschen Verhältnisse zu kritisieren. Schon an der Grenze wird Heine gründlich durch Zollbeamte durchsucht was der Dichter dazu benutzt auf die Zensur-Realität in Deutschland hinzuweisen. Aber Heine hinter der vorgehaltenden Hand, sich lustig machend dichtet dazu:

Ihr Toren, die Ihr im Koffer sucht!

Hier werdet Ihr nichts entdecken!
Die Contrebande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken.

Hier hab ich Spitzen, die feiner sind

Als die von Brüssel und Mecheln,
Und pack ich einst meine Spitzen aus,
Sie werden Euch sticheln und hecheln.


In Aachen begegnet er preußisches Militär deren Uniformen ihn an das Mittelalter erinnern. Solche und ähnliche Vergleiche durchziehen das gesamte Wintermärchen um so die Rückständigkeit Deutschlands aufzuzeigen. 
Im 5. Kapitel wendet sich der Dichter gegen die nationale Deutschtümmelei und der Vereinnahmung des Rheins durch Deutschland und Frankreich für ihre politischen Ziele. ("Rheinromantik" in Deutschland- nicht zu verwechseln mit  den Gedichten der Romantiker wie z.b. Clemens Brentano)

Der Rhein:

Zu Biberich hab ich Steine verschluckt,
Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker!
Doch schwerer liegen im Magen mir
Die Verse von Niklas Becker.

Er hat mich besungen, als ob ich noch
Die reinste Jungfer wäre,
Die sich von niemand rauben läßt
Das Kränzlein ihrer Ehre.

Wenn ich es höre, das dumme Lied,
Dann möcht ich mir zerraufen
Den weißen Bart, ich möchte fürwahr
Mich in mir selbst ersaufen!


Westfalen schildert Heine als liebenswürdig aber rückständig. Als der Dichter den Teutoburger Wald durchreist leitet Heine zu der Barbarossasage über. Der Kaiser gilt in der Zeit Heines als eine Figur der deutschen Einheit und von sozialer Gerechtigkeit. In der Kutsche schlafend und träumend berichtet der Erzähler dem Kaiser über die Ereignisse der französischen Revolution und dem Ende von Ludwig den XVI der unter der Guillotine endet. Als ihm der Kaiser, immer noch schlafend, des Verrats bezichtigt, sagt der Erzähler ( der träumende Heine) ihm, das er im Kyyffhäuser bleiben soll. Dieser Kunstgriff Heines auf die bekannte Babarossagestalt zurückzugreifen, ermöglicht es dem Dichter die monarchische Gesellschaftsform im allgemeinen zu kritisieren und den Missbrauch der Geschichte durch die Hohenzollern bloß zu stellen.

Hamburg ist die letzte Station des Wintermärchens. Heine verurteilt die Selbstgefälligkeit, Eitelkeit und ihr wirtschaftlich korruptes Handeln. 

Die gesamte Dichtung wird durchzogen von der Kritik an der Zensur und immer wieder betont Heine die Rückständigkeit Deutschlands und diese Themen sind das beherrschende Motiv des Wintermärchens. Engstirnigkeit, Nationalismus und Klerikalismus in Deutschland sind weitere wichtige Motive die Heine in seiner Dichtung verurteilt. Im Gegensatz dazu stellt der Dichter Symbole die als freiheitlich bekannt sind. (Prometheustraum im Kapitel 8 oder Christus im Kapitel 18)

Insgesamt umfasst die Dichtung über 500 vierversige Strophen die durch zahlreich Kunstgriffe, wie Vergleiche, Kontraste oder Satire und Polemik kunstvoll miteinander verknüpft werden.







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de