2013-10-29

Natur und Kunst- Gedichte zum Thema Natur (Fallersleben, Büchner) 11







August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Natur und Kunst

O große herrliche Natur!
Du kommst mit Donner und Blitz und Sturmesgebrause,
Erfüllst mit Bangen Wald und Flur,
Mit Schrecken und Angst Palast und Klause.

O große herrliche Natur!
Dein Wort demütigt die Welt und alles Leben:
Es schweiget jede Kreatur,
Es staunet Tiger und Leu, und Könige beben.

O große herrliche Natur!
Du bringst zum Schweigen die Welt mit Donnergetose,
Und - mehr vermag noch die Censur,
Die thut's gelassen mit einer Federpose.
Marie Luise Büchner

Segen der Natur

Es gibt so stille Feierstunden
Der Seele, wo sie Alles trägt,
Wo sie trotz allen ihren Wunden
Des Friedens Atem nur bewegt.

Wie blieb er lange mir so ferne,
Der Ruhe stiller Zauberkreis,
Wo, gleich dem wandellosen Sterne,
Man nichts von Schmerz und Sehnsucht weiß.

Natur, mit deinem milden Segen,
Du bist's, die mich so sanft umfängt!
Die heute mir auf allen Wegen
Nur Lebensmuth entgegen drängt.

Es rauscht der Bach zu meinen Füßen
Mir Ruhe! Ruhe! leis' in's Ohr;
Die blauen Berge freundlich grüßen,
Die Bäume flüstern süßen Chor.

Und wie die Sonne strahlend lächelt,
Auf jedem Blatt sich glänzend bricht,
Scheint sie von heitrer Lust umfächelt,
Wie hold ein Kinderangesicht. –

O bleibe fest in meinem Herzen,
Moment – vom Grame unentweiht;
Sei mir ein Schild für alle Schmerzen,
Ein Balsam jedem ferner'n Leid!

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