29.10.2013

Natur und Mensch- Naturgedichte von Kempner und Bodenstedt (13)







 Friedrich von Bodenstedt 

Dich schuf Natur in einer Festtagslaune,
Hielt Dich vor Allem, was entweiht, geborgen,
Das Du uns aufgingst wie ein Maienmorgen,
Und wer Dich sieht, vor solcher Schönheit staune.

Leicht, wie ein zart Geweb vom Dornenzaune
Zerrissen wird, welkt Schönheit hin vor Sorgen;
Man quält sich mühvoll heut, denkt stets an morgen
Das nicht die Not zu schrill ihr Liedchen raune.

Und wer nicht Sorgen hat, der schafft sich welche;
Es nagt ein Wurm an jedem Blumenkelche
Der Schönheit, - nur an Deinem nicht, Du Hehre!

O daß Dich Gott rein, wie Du bist, behüte,
Und der Verwüsterin der Schönheitsblüte,
Der Zeit, an Dich die Hand zu legen wehre! 
Friederike Kempner

Natur und Mensch

Es blinken die Sterne hinab auf das Moos,
Es regt sich das Blättlein im Moose,
Im Schatten der Palme dort riesengroß,
Dort wächst eine purpurne Rose:
O Blättlein mein, so frisch und so klein,
O duftiges, purpurnes Röselein!

Es blinken die Sterne hinab auf das Moos,
Es hüpfet ein Vöglein im Moose,
Im Schatten der Palme dort riesengroß,
Erblühet die Wundermimose:
O Röslein mein, Mimöslein mein,
Und lustiges, hüpfendes Vögelein.

Es blinken die Sterne hinab auf das Moos,
Es birgt ein Gesicht sich im Moose,
Ein weinend Gesicht und riesengroß
Die Träne, allüberall große: 
Und Träne und Blut bis zum Himmel reicht
Und alle die Schönheit verschwindet, erbleicht.

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