2013-12-07

Erotische Gedichte von F.v.Schlegel 4.2




Viertes Sonett

Von allen Männern, die dich je bedrohten
Bin ich der geilste: sieh' mich zitternd an . . . !
Ich zerre deine Brüste Spann für Spann
Und werde sie auf deinem Rücken knoten.
Auch deine Füße knüpfe ich daran,
Und binde deine kleinen weißen Pfoten.
Und wenn den Leib du röchelnd mir geboten
Bewunderst du in mir den starken Mann.
Und wenn du schreist, so schlitz' ich deinen runden
Und weichen Leib mir auf mit kaltem Streiche.
Dann saugen sich die Lippen deiner Wunden
Um meinen Schwanz, daß ich vor Lust erbleiche.
Jedoch, mein Glück, es reift nicht aus zu Stunden:
Du riechst schon sehr, mein Torsoschatz, nach Leiche.
Achtes Sonett

Ich ward erlöst, zum Weltweib umgeschaffen,
Des irren Wanderns letzte höchste Feier.
Ich rag' ins Dämmerlicht, verhüllt vom Schleier
Der Sterne mit den bleichen Mondagraffen.
Zur Erde send' ich meinen Himmelsgeier,
Der ruft die letzten geilen Menschenaffen.
Ich werde meine Röcke höher raffen
Und alle grüßen als willkomm'ne Freier.
Ich höre schon ihr heis'res Brunstgeschrei.
Die Schwänze zucken und die Zungen lallen.
Begattend dünken sie sich schicksalsfrei.
Doch werden sie in meine Scheide fallen,
Dann will ich sie Kometen gleich mit kurzen
Und hellen Knallen in den Weltraum furzen.
Neuntes Sonett

Verschüchtert von des Purpurbett's Umschattung
Horcht die Prinzessin in die schwarzen Ecken.
Ihr dünkt ein schalkhaft kichernd' Necken,
Ein seltsam' Künden fürstlicher Begattung.
Der Prinz harrt zweifelnd seiner Kraft Erwecken
Und früh vertaner Jugend Rückerstattung.
Wie peinlich würde heute die Ermattung
Die junge Frau aus der Umarmung schrecken.
Er droht des frechen Narren fröstelnd Lachen,
Flucht seiner Jugend mondbeglänzten Nachen
Und glaubt nicht mehr an schwarzer Kräuter Sieden.
Denn selbst die einst so treuen Canthariden,
Sie haben ihren Wirkungspol verrückt
Und reichen nur, daß er den Nachtstuhl schmückt.
Zehntes Sonett

Ich höre fern das Plätschern deiner Wasser.
Ich fühl' mein Herz in meine Hoden sinken.
Es drängt mich wieder, dein Pipi zu trinken,
Weil ich ein ruchlos raffinierter Prasser.
Man lügt, daß deine gelben Quellen stinken.
Mich macht ihr Duft, wenn ich sie trinke, blasser.
Ich möcht, ein Kieselstein, ein ewig nasser,
In deinen Fluten selig schimmernd blinken.
So wirst du mir, Geliebte, ganz zu eigen,
Wie mehr als in des Marterbergs Ersteigen
Im Abendmahle Einer Gott verwandt.
In deiner Krypta ein verschwieg'ner Brand,
Laß züngeln mich in allen roten Winkeln

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