2014-05-31

T.Fontane- Gedichte: Wintergruß (77)





Wintergruss

An Emilie

Laßt den Winter mich begrüßen!
Ja er soll willkommen sein,
Blüten läßt er mir ersprießen,
Bringt mir Frühlingssonnenschein.

Sind begraben auch die Auen,
Sind erstorben Wald und Flur,
Könntet ihr mein Herz erschauen.
Schautet ihr den Frühling nur.

Ja, da keimt es kräftig wieder,
Ja, da blüht ein Liederflor,
Und aus jedem dieser Lieder
Lächelt mir dein Bild hervor.

Ja, mein liebes kleines Püppchen,
All mein Grollen ist dahin.
Seit von deinen Rosen-Lippchen
Floh der garst'ge Eigensinn.

Seit du, ohne Widerstreben,
All dein Unrecht anerkannt,
Ist dir alles ja vergeben.
Bin ich fest an dich gebannt.

In mir regt sich neues Leben,
Warm wird mir das kalte Herz,
Mit mir fühl ich sich verweben
Freud und Frohsinn, Lust und Scherz.

Mädchen, Herzchen, die Bekehrung
Hat der Winter mir gebracht.
Und ich zoll ihm die Verehrung,
Die sonst nur dem Lenze lacht.

Laßt den Winter mich begrüßen!
Ja, er soll willkommen sein,
Blüten läßt er mir ersprießen.
Bringt mir Frühlingssonnenschein!

alle Gedichte von Fontane                                               nächstes Gedichte von Fontane

Gedichtsammlungen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de