30.11.2014

Gedichte von F.Hebbel: Stillstes Leben (63)




Stillstes Leben

Ich fuhr einst über Wasser,
Das hat gar wild geschäumt,
Die Stürme brausten wütend,
Die Nacht lag dumpf und brütend,
Ich aber hab geträumt.

Ich ritt durch Waldesdunkel,
Mein Roß hat sich gebäumt,
Glutrote Wolken rollten,
Und ferne Donner grollten,
Ich aber hab geträumt.

Ich bin zu Berg gefahren,
Da wurde nicht gesäumt,
An schwankem Seile baumelnd,
Erbangend, vorwärts taumelnd,
Ich aber hab geträumt.

Zu ruhn in stiller Wiege,
Die Welt hinweggeräumt,
Und ungesehn und schweigend
Die Mutter drüber neigend:
Das habe ich geträumt.



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