2014-12-31

Gedichte von R. Dehmel: Sternzauber (75)




Sternzauber

Wallst du nieder aus den Weiten,
Nacht, mit deinem Silberkranz?
zieht in deine Ewigkeiten
mich des Dunkels milder Glanz?

Als ob treue Augen winken:
alle Liebe sei enthüllt!
als ob sanfte Grüße sinken:
alle Sehnsucht sei erfüllt –

will ein Stern sich nun entbreiten,
in mein schwimmend Aug' er taucht,
seligste Versunkenheiten
in mein schwellend Herz er haucht.

Zu ihm heben mich Gewalten,
wie zu mir er sinkt und sinkt;
und ein Quellen, ein Entfalten
seines Scheines mich umschlingt

und entführt mich in die Zeiten,
da noch keine Menschen sahn
dieses Fühlen, dieses Gleiten,
dieses rätselvolle Nahn.


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