31.12.2014

Goethes Tagebücher: Juli 1824



1824


7. 07. Weimar.

Legte Verschiedenes zusammen, dem Herrn Grafen vorzuzeigen. Besuchte mich derselbe und ließ die gestern mitgebrachten Kalksteine sehen. Erzählte auch die geognostischen Untersuchungen in Gesellschaft von Herrn Soret. Diktiert an dem morphologischen Hefte. Fuhr Graf Sternberg und Herr Kanzler nach Belvedere. Ich setze mein Lesen und Betrachten fort. Mittag mit Ulriken allein; Walther in Dornburg. Abends Professor Riemer. Sendung von Ruckstuhl aus Koblenz. Sendung von Usedom. Gespräch über Schulanstalten und die durch Druckschriften verbreitete überschwengliche Literatur in allen Fächern. In gleichem Sinne für mich Betrachtungen über Ruckstuhls Programm. Unübersehbare Ausdehnung des Schul-Unterrichts.

11. 07. Weimar.

Aufgeräumt, gesondert und geordnet. Eingepackt für Karlsbad. Hofrat Rehbein. Über die neuesten durch die Zeitung verbreiteten Umtriebshistorien. Manches durch die Gegenwart des Grafen Angeregte besorgt und beseitigt. Mittag für uns. Gegen Abend Schillersche Korrespondenz von 1802 ineinander geschaltet. Auch in den Tagebüchern nachgeschlagen und jener Zeiten mich erinnert. War die antike Eule von Berlin angekommen. Betrachtung deshalb. Antike Tiere verglichen mit den Satyrspielen. Niedrige Naturen im hohen Sinn behandelt.

18. 07. Weimar.

John schrieb an der Korrespondenz fort. Ich nahm die Epoche von 1794 vor. Herr Soret mehrere Steinarten von Dornburg und eine silberne Medaille bringend. Ich fuhr in meinem Geschäft fort. Las einiges darauf Bezügliche. Beschäftigte mich mit den Kindern und überdachte das Nächstbevorstehende. Um 11 Uhr Frau von Wolzogen, über die Ausgabe der Briefe gesprochen. Ihr die Elegie lesen lassen. Mittag für uns. Kam eine Sendung von Ottilien an, welche zu mancherlei Betrachtungen Anlaß gab. Nach Tafel Gräfin Egloffstein. Herr Kanzler von Müller. Sendung von Serenissimo. Aufnahme in die Genter Agrikultur-Gesellschaft und Medaille. Brief von Zeltern, durch Herrn Regierungsrat Schmidt. Mit Herrn Kanzler über das Porträt und die Maccoschen Briefe. Stelle aus Dichtung und Wahrheit Band II, S. 449. Walthern die Geschichte der Siebenschläfer erzählend. Durch Schillers Briefe hingewiesen auf eine Rezension Matthissonischer Gedichte in der Allgemeinen Jenaischen Literatur-Zeitung von 1794, No. 298. Langsam herannahendes, endlich in Sturm und Regengüsse ausbrechendes Gewitter. Die Schloßgasse und das Vorwerk war durch das zuströmende Oberwasser überschwemmt. Man mußte mit den Pferden flüchten.

20. 07. Weimar.

Schillerische Rezension von Matthisson geendigt und für trefflich gefunden. Der Dichter mit Recht gelobt, nur die Einheit der Darstellung hie und da vermißt. Das Jahr 1802 fertig geschrieben. Herr Baron von Martens. Dr. Weller, Verschiedenes die Bibliothek betreffend. Mittag für uns. Troilus und Cressida von Shakespeare. Fräulein Adele. Über den Tod von Lord Byron von Walther Scott. Herr Dr. Weller Abschied nehmend. Die Schillerische Korrespondenz bis Ende 1796 durchgesehen. Die Bedeutung des Ganzen immer mehr erkannt. Abends Professor Riemer. Den ersten und zweiten Bogen Werthers, der Morphologie No. 8 durchgegangen. Über Stiedenroth sonstiges Psychologische und Ästhetische.

26. 07. Weimar.

Kants Abhandlung über das Weltgebäude. Revision von 1798 fortgesetzt und darauf Bezügliches. Um 12 Uhr die jungen Herrschaften und der Prinz von Oldenburg. Mittag für uns. Shakespeares Vorschule. Die Sage vom Pater Baco. Neue Tausend und eine Nacht von Breslau. Professor Riemer, mit ihm den 3. und 4. Bogen von Werther. Frau von Arnim Zeichnungen vorweisend. Schreiben von Fräulein von Jakob mit Rücksendung der serbischen Gedichte, Original und Übersetzung.

28. 07. Weimar.

Shakespeares Vorschule näher bedacht. 1804 und 5 der Korrespondenz sorgfältiger gelesen und die Briefe und Billette ohne Datum eingeschaltet. I. K . H. Frau Großherzogin von 1/2 11 - 12 . Die neuesten Berliner architektonischen Hefte vorgelegt. Herr Kanzler von Müller. Nachrichten von seiner Naumburger und Dresdener Reise. Mittag mit Ulriken und Walther. Die Tausend und eine Nacht. Mancherlei geordnet. Abends die Briefe ohne Datum wieder vorgenommen; zu besserer Entwirrung die Tagebücher und Komödienzettel durchgesehen.

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