2014-12-31

Goethes Tagebücher: November 1823



1823


4. 11. Weimar.

Vorbereitung der morgenden Sendung an Wesselhöft. Schreiben aus Böhmen. Beantwortung desselben. Dr. Ernst, Kupfer von Steinla bringend. Kräuter Zeichnung von Schwerdgeburth vorlegend. Die Kupfer und Gedichte in Madame Szymanowskas Stammbuch besorgt. In Schweiggers Jahrbuch, Bernhardis Abhandlung über kristallographische Bezeichnungim allgemeinen beschaut. Mittag Madame Szymanowska und Schwester. Herr Kanzler von Müller, einige Nachricht vom Konzert bringend. Nach Tische für mich. Einiges in der Kampagne von 1792 gelesen. Abends nach dem Konzert Madame Szymanowska, Schwester und Herr Kanzler.


9. 11. Weimar.

Heiterer Morgen, hoher Barometerstand.Geh. Hofrat Huschke nach meinem Befinden sich erkundigend und einiges verordnend. Mein Sohn hatte den Bericht wegen Hofrat Voigts Eintritt in die Fakultät und Einräumung des unteren kleinen Zimmers in der Bibliothek zum Münzenkabinett gemacht. Bei schlechtem Befinden soviel als möglich die Arbeiten gefördert. Zu Mittag fortgesetzte Relation der Verwirrung letzter Tage und Stunden. Abends Oberbaudirektor Coudray. Professor Riemer, Kanzler von Müller, Soret. Letzterer angenehme Mineralien bringend. Professor Riemer Abbildung der kleinen Bronze von Dornburg, von der patriotischen Menge für einen Gott Thor, von uns aber für einen Christus gehalten, von uralter schlechter Nachbildung eines guten Musters. War früh Geh. Hofrat Huschke bei mir gewesen.

12. 11. Weimar.

Mancherlei vorbereitet. Diktiert am Bibliotheksberichte. Kam Hofrat Rehbein, seine Krankheit erzählend, meine überlegend und verschreibend. Meyersches Konzept abgeschrieben. Im Sessel gedämmert. Walther war gar artig im Erzählen teilnehmend. Nähere Betrachtung des kleinen Smaragden in Feldspat. Die Grimmischen kleinen Radierungen an Fräulein Adele. Mittag zu vieren. Nach Tische Herr Staatsminister von Humboldt. Mit ihm den Nachmittag unter mancherlei Gesprächen zugebracht. Abends Kanzler von Müller und Hofrat Meyer. Gar manche Dinge wurden durchgesprochen.

13. 11. Weimar.

Schlimme Nacht. Einiges beseitigt. Hinweisung auf die göttingische Rezension der serbischen Lieder. Staatsminister von Humboldt. Verschiedene Verhältnisse, literarische und philosophische. Korrespondenz zwischen Schiller und mir. Gab ihm das letzte Heft der Morphologie pp. Mittag zu fünfen. Den Nachmittag mit verschiedener Lektüre zugebracht. Schillers Briefe an Humboldt zu lesen angefangen. Abends Oberbaudirektor Coudray, Riemer, Soret und Kanzler von Müller. Briefe von Professor Zelter waren angekommen.

15. 11. Weimar. 

Kamen die Enkel mich besuchend und waren sehr artig. Eckermann wegen der Schweizerreise von 1797. Abschrift eben dieser Reiseakten. Herr von Humboldt war mit Serenissimo auf der Bibliothek u.s.w. Mittag für uns. Das Diarium des jungen spanischen Kriegsmannes durchgelesen. Abends Herr Soret. Nachher Riemer und Kanzler von Müller, ingleichen Eckermann.

30. 11. Weimar.

Briefe revidiert. Manches geordnet. Unterhaltung mit Zelter. Erhöhung der Stimmen beim Steigendes Barometers. Verhältnis des neuern kleinen Theaters zu dem großem. Die Elegie gelesen und wieder gelesen. Mittags zu vieren. Mein Sohn hatte den Hofdienst. Zelter hatte sich entschlossen zu bleiben. Nach Tische geruht. Abends Gräfin Line. Sodann mit Zelter die Elegie nochmals gelesen. Nachts in die hintern Zimmer gezogen. Zum erstenmal wieder im Bette geschlafen.


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