2014-12-31

Goethes Tagebücher: September 1823



1823


3. 09. Karlsbad.

Gegen den Brunnen zu gegangen, abzuholen. Auf der Wiese gefrühstückt. Glaswaren bei Mattoni besehen. Amelie disputierend mit dem General Uminsky. Merkwürdige Torheiten. Er zerbricht ein sehr schönes Glas und wird ausgelacht. Dame von Wien, Freundin von Madame Pereira. Viel Gutes und Freundliches im Namen dieser. Auch von Frau von Pichler gesprochen. Für mich. Anstalten zum Einpacken. Stadelmann hatte den Töpfer besucht und Steine herbeigebracht. John schrieb die weimarischen Gedichte ab. Sie waren mit sehr erfreulichen Briefen angekommen, die mich den ganzen Morgen unterhielten. Mittag zusammen. Gegen 4 Uhr auf Aich. Kleid von gegittertem echten schottischen Zeuge, das sehr gut stand. Der Himmel fing an sich zu überziehen. Den Fürsten Hohenzollern und Gesellschaft gesprochen. Den Obrist Burggrafen begrüßt. Über den Hammer zurück. Bedeckter Himmel, sehr schöne Fahrt, warmer Abend. Auf der Wiese. Nach 7 Uhr entstand von Westen her Wetterleuchten. Spazierend lange zugesehen. Sprühregen; ins Haus. Ulrike fuhr fort den Schwarzen Zwerg zu lesen, im ganzen natürlich und    gut; sie müßte sich zu mehr Energie und Darstellungs-Lebhaftigkeit bequemen. Man blieb beisammen. Amelie voller Torheiten. Gegen 10 Uhr sah man schon wieder die Sterne an dem teilweis bedeckten Himmel.

4. 09. Karlsbad.

Später aufgestanden. Papiere zusammengepackt. Am Neubrunnen. Im Zimmer gefrühstückt. Madame Szymanowska und Schwester überraschten mich. John vollendete die Abschrift der Geburtstagsgedichte. Brief von Kanzler von Müller mit einem Exemplar derselben. Angeschaffte Trinkgläser. Für Graf Taufkirchen Handel von Glaswaren und Toiletten beschäftigte Frau von Levetzow. Zu Tische Scherz mit den Gläsern. Wiederholung der Geburtstagsgeschichte. Auf den Hammer gefahren. Abends Taufkirchen und Erfolg seines Handels. Große Toilette vorgezeigt. Abends mit der Familie. Jugendeinzelheiten der Töchter. Amelie erschien dabei sehr verständig. Die Mängel ihrer Pensionslehrerin hervorhebend.

5. 09. Hartenberg.

Früh alles gepackt. Kam Rat Grüners Wagen, dem die sämtlichen Steine aufgeladen wurden; auch mein Wagen fuhr ab. Stadelmann besorgte einige Abschiedsvisiten.    Graf Taufkirchen. Als sich der entfernt hatte, allgemeiner, etwas tumultuarischer Abschied. Ich ging bis zum Goldnen Löwen, wo ich den Wagen traf. Abgefahren nach 9 Uhr. Bei kaltem Westwinde heiteres Wetter, viel aufgeregter Staub. Halb 1 Uhr in Zwodau. Erste Nachricht vom Unglück in Hof. Abschrift eines Gedichtes. Nach 5 Uhr in Hartenberg. Vielfache Unterhaltung mit dem Grafen, besonders über seine Ökonomie. Abends mit der Familie. Der Sohn war angekommen.

12. 09. Pößneck.

Ich fuhr um Hof herum, den greulichen Anblick nicht zu sehen, und doch konnte man sich desselben nicht ganz erwehren. Die herbeieilenden Sachsen von Adorf und anderen Orten haben sich großen Ruhm erworben, indem durch ihre Entschlossenheit und Tätigkeit die obere Vorstadt erhalten worden. In Schleiz zu Mittag gespeist. Kaufmann Meyer, der mir die Nachricht brachte, meine 5 Kisten Mineralien und Kreuzbrunnen seien gerettet. Der Fuhrmann habe aufgepackt gehabt, habe aber, weil die Konfusion groß geworden, ohne Frachtbrief fortfahren müssen und werden nun schon längst in Weimar abgegeben worden sein. Bei sehr schönem Wetter nach Sonnenuntergang in Pößneck eingetroffen. Das Gedicht abermals unterwegs durchgegangen und Bemerkungen gemacht.

23. 09. Weimar.

Die Berichtigung der Hefte von Kunst und Altertum angefangen, aber nicht vollendet. John Abschrift des Briefs von Aachen, von Nees von Esenbeck. Kapitelweise Abschrift des auf der Reise Bemerkten aus allen Fächern. Zahme Xenien III. durchgesehen und arrangiert. Einiges an Kupferstichen geordnet. Gedichte und Briefe zum Geburtstag gesammelt. Mittag zu vieren. Verabredung wegen der Berliner Reise meiner Schwiegertochter. Vorbereitung auf den Besuch I. H. der Großherzogin. Noch einiges an Hofrat Meyer zu beliebigen Rezensionen. Abends Kanzler von Müller; über Christen- und Judenheiraten, unerfreuliche Unterhaltung. Inhalt von Briefen vorbedacht und schematisiert.

26. 09. Weimar.

Schrön; demselben die Meteorologica von der Reise mitgeteilt und besprochen. Maler Preller meldete seine Ankunft und zeigte verschiedene Arbeiten vor. Die Sendung an Nees von Esenbeck weiter geführt, ingleichen manches andere zu den bevorstehenden Heften. Abends Gräfin Lina von Egloffstein. Las derselben das Buch des Paradieses vor.

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