31.01.2015

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 29.09.1794 (12)





AN GOETHE

Jena, 29. September 1794

Ich sehe mich wieder hier, aber mit meinem Sinn bin ich noch immer in Weimar. Es wird mir Zeit kosten, alle die Ideen zu entwirren, die Sie in mir aufgeregt haben; aber keine einzige, hoffe ich, soll verloren sein. Es war meine Absicht, diese vierzehn Tage bloß dazu anzuwenden, so viel von Ihnen zu empfangen, als meine Rezeptivität erlaubt; die Zeit wird es nun lehren, ob diese Aussaat bei mir aufgehen wird.

Bei meiner Zurückkunft fand ich einen Brief von unserm Horen-Verleger, der voll Eifer und Entschlossenheit ist, das große Werk bald zu beginnen. Ich hatte ihm absichtlich noch einmal alle Schwierigkeiten und alle möglichen Gefahren dieses Unternehmens vorgestellt, um ihm Gelegenheit zu geben, mit möglichster Überlegung diesen Schritt zu tun. Er findet aber, nach Erwägung aller Umstände, daß keine Unternehmung versprechender sein kann, und hat eine genaue Abrechnung mit seinen Kräften gehalten. Auf seine unermüdeteTätigkeit in Verbreitung des Journals, sowie auf seine Pünktlichkeit im Bezahlen können wir zählen.

Er äußert den Wunsch, daß wir seinem Associé, einem jungen Gelehrten, in unserm Ausschuss eine consultative Stimme geben möchten. Ich kann es ihm nicht verargen, daß er in dem Senat, der über seinen Geldbeutel disponieren soll, gern einen guten Freund haben möchte. Dazu kommt, daß dieser junge Mann, der sich Zahn nennt, zu der Handelskompagnie in Calw gehört, die das Cottaische Unternehmen deckt, und die so beträchtlich ist, daß man schon bei mehreren Extremitäten in Württemberg auf ihren Kredit gerechnet hat. Ich glaube daher, daß man wohl tut, diesen Mann so sehr als möglich in das Interesse unsrer Unternehmung zu ziehen, und ihm also wohl eine ratgebende Stimme in unserm Ausschuss zugestehen kann. Weil dies ein Geschäft betrifft, das ad Acta kommt, so bitte ich Sie, beifolgendes Blatt, wenn Sie mit dem Inhalt einverstanden sind, zu unterschreiben.

Da ich nächster Tage an Herrn Arends schreiben will, so ersuche ich Sie, mir seine Adresse gütigst mitzuteilen. Sie sprachen neulich davon, daß Sie Herrn Hirt in Rom veranlassen wollten, uns das neueste, was im artistischen Fach in Italien vorgeht, zu kommunizieren. Dies würde gewiß nützlich sein, und ich bitte, gelegentlich daran zu denken.

Die Luft ist heute so drückend, daß ich es bei diesem Redaktionsgeschäfte bewenden lassen muß. Herr v. Ramdohr hat hier, wie ich höre, über den Empfang, den er in Dresden bei Ihnen fand, nicht zum besten gesprochen. Er ist hier so sehr für einen Kunstkenner bekannt, daß ihn Loder mit sich zum Tischler führte, um eine ganz gewöhnliche Kommode, die er da machen läßt, in Augenschein zu nehmen.

Schiller.

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