2015-02-28

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 28.06.1798 (475)


AN GOETHE

Jena den 28. Juni 1798

Die Nachricht, daß der Elpenor von Ihnen sei, hat mich wirklich überrascht; ich weiß nicht wie es kam, daß Sie mir gar nicht dabei einfielen. Aber eben weil ich unter bekannten und wahlfähigen Namen keinen dazu wußte, so war ich sehr neugierig auf den Verfasser, denn es gehört zu denen Werken, wo man, über den Gegenstand hinweg, unmittelbar zu dem Gemüt des Hervorbringenden geführt und getrieben wird. Übrigens ist es für die Geschichte Ihres Geistes und seiner Perioden ein schätzbares Dokument, das Sie ja in Ehren halten müssen.

Ich freue mich auf den magnetischen Kursus gar sehr; in dem Fischer’schen Wörterbuch habe ich grade über diesen Gegenstand wenig Trost gefunden, da dieser erste Band nicht so weit reicht. Wir wollen dann auch, wenn es Sie nicht zerstreut, über Elektrizität, Galvanism und chemische Dinge uns unterhalten und wo möglich Versuche anstellen. Ich will vorläufig dasjenige darüber lesen, was Sie mir raten und was sich bekommen läßt.

An Humboldt geht heute mein Brief ab, die Abschrift lege ich bei, so weit sie sein Werk betrifft. Da ich es nicht vor Augen hatte, und mir diese Gedankenrichtung überhaupt jetzt etwas fremd und widerstrebend ist, so habe ich nur in generalibus bleiben können. Sie werden in Ihrem Briefe für das Weitere schon sorgen.

Wenn mir Schlegel noch etwas bedeutendes für den Almanach bestimmen will, so habe ich gar nichts gegen die Einrückung dieser Gelegenheitsverse. Sollen sie aber einziger Beitrag sein, den er nicht einmal ausdrücklich dafür schickt, so könnte es das Ansehen haben, als wenn wir nach allem griffen, was von ihm zu haben ist, und in dieser Not sind wir nicht. Ich habe so wenig honette Behandlung von dieser Familie erfahren, daß ich mich wirklich in Acht nehmen muß, ihnen keine Gelegenheit zu geben, sich bedeutend zu machen. Denn das wenigste was ich riskierte wäre dieses, daß Frau Schlegel jedermann versicherte, ihr Mann arbeite nicht an dem Almanach, aber um ihn doch zu heben, hätte ich die zwei gedruckte Gedichte aufgegriffen.

Übrigens ist das an Iffland gerichtete gar nicht übel gesagt, obgleich ich lachen mußte, daß Schlegel sich nun schon zum zweitenmale an dem Pygmalion vergreifen mußte, von dem er gar nicht loskommen kann.

Meyer’s Vorschlag wegen der Propyläen als Titel läßt sich schon hören. Meine Gründe dagegen wissen Sie, und wenn dadurch für die Sache was kann gewonnen werden, so kommen sie in keine Betrachtung.

Leben Sie recht wohl.

Sch.
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