28.02.2015

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 11.07.1798 (477)


AN  GOETHE

Jena, 11. Juli 1798

Ich begleite die Magnetika, welche Geist abholt, mit einigenZeilen, um Ihnen unsere herzlichsten Grüße und Wünsche zusagen. Diese Störungen sind freilich sehr fatal, aber insofern sie die poetischen Geburten bei Ihnen retardieren, so können sie vielleicht eine desto raschere und reifere Entbindung veranlassen und den Spätsommer von 96 wiederholen, der mir immer unvergesslich bleiben wird.

Ich werde unterdessen die lyrische Stimmung in mir zu nähren und zu benutzen suchen und hoffe, wenn Sie kommen, den Anfang endlich mit einem eigenen Beitrag gemacht zu haben.       

Geist schickte mir so eben ein mächtig großes Gedicht aus Dresden, das mir halb so groß noch einmal so lieb wäre.

Heute wird wahrscheinlich mein Gartenhäuschen gerichtet, welches mir den Nachmittag wohl nehmen wird; denn so etwas ist für mich eine neue Erfahrung der ich nicht widerstehen kann.

Leben Sie recht wohl. Bleiben Sie so kurze Zeit weg als möglich. Meine Frau grüßt auf’s schönste.

Sch.
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