27.02.2015

J.H.Voß: "Luise" Dritte Idylle: Der Brautabend (103)





    Als nun weich und sauber das

Hochzeitbette geschmückt war,

In dem Gestell mit hohem und

schöngebogenem Himmel, 
Und zwei trauliche Kissen sich
wohlgepaart an einander
Dehnten: brachte Mama den stattlichen
Bräutigamsschlafrock,
Fein von Kattun, kleerötlich, mit
farbigen Blumen gesprenkelt;
Brachte für jeden ein Paar hochzeitliche
grüne Pantoffeln,
Prunkend von Saffian, und stellte sie
neben einander; 
Brachte die weiße Haube und das
Leibchen mit rosigen Bändern;
Brachte dann auch die Mütze von feinem
Batist, die, mit rotem,
 Flammig gekräuseltem Bande und dem
Quast von Kanten geziert,
Urgroßväterlich strotzt'; und das
Mütterchen lachte behaglich.
Als sie nunmehr vollendet, enteilten sie:
Jungfer Susanna 
Kehrte zurück an ihr Werk, und Mama
zu der lieben Gesellschaft.
Lächelnd ging sie alsbald zum Bräutigam,
der am Klaviere
Singend stand mit der Braut und Amalia,
legt auf die Achsel
Ihm sanftklopfend die Hand, und begann
mit leisem Gefliester:
Jetzt, mein Sohn, nach Belieben; das
Brautbett haben wir fertig. 
Sprach; und mitnichten verdross es den
Bräutigam; froh in Bestürzung
 Drückte er die Hand der lieben Mama; und
sie küssten sich herzhaft.
Aber die Gräfin begann zu dem redlichen
Pfarrer von Grünau:
Vater, sie halten da Rat um das
Töchterchen. Wo du mir durchgehst,
Kleine Luis'! Erst knixt man herum, und
wünscht der Gesellschaft 
Gute Nacht! freimütig, und nicht so bang
und errötend.
Halte sie fest am Ärmel, Amalia! morgen
gehört sie
Uns, die Ehegemahlin des würdigen
Pfarrers von Seldorf!
Dann wird weder gehüpft noch gelacht;
dann wandelt man ehrbar!
Dann wird die Wiege bestellt! dann singt
man: Eyo Popeyo!


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