2015-02-27

J.H.Voß: "Luise" Dritte Idylle: Der Brautabend (102)



Komme, und hilf mir bereiten das
Brautbett unserer Tochter.
Also Mama; und es folgte mit
eisernem Leuchter Susanna.
Jetzt nahm aus dem Schranke die alte
verständige Hausfrau
Feinere Laken und Bühren, die glatt von
der Mangel und Schneeweiss
Schimmerten, wählte mit ernstem Bedacht,
und sprach vor sich selber; 
Stieg dann die Treppe hinauf zur
düsteren Kammer voll Hausrat,
Die dort unter dem Namen der
Polterkammer berühmt ist;
Wählt aus dem Schlüsselgebund, das ihr
zur Seite herabhing,
öffnete dann vorschauend, und trat vor
die eichene Lade,
  Die, von den Ahnen geerbt, mit
altertümlichem Schnitzwerk 
Prangte, groß und geräumig: am Schloss
war Jakob gebildet,
Seine Rahel umarmend, die Schäferin;
neben dem Brunnen
Stand ein Lamm auf dem Stein, und es
drängte sich trinkend die Herde.
Diese nunmehr aufschließend, erhob sie
das köstliche Bettzeug,
Lange gespart für die Braut, die leichte
Decke und die Kissen, 
Welche von Eiderdunen sich blähten;
aber Susanna
Gab ihr das Licht, und trug die
schwellenden Betten geschäftig
Hin zur Kammer der Braut; ihr folgte
leuchtend die Mutter.

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