2015-02-27

J.H.Voß: "Luise" Dritte Idylle: Der Brautabend (104)



  Seht, wie das schelmische Bräutchen da
hohnlacht! Trotzest du, Bübin,
Dass der Wächter im Dorf zwölf ruft, und
der Wagen schon wartet?
Drauf antwortetest du, ehrwürdiger
Pfarrer von Grünau:
Hurtig noch eins! Vollauf bis zum
obersten Rande die Gläser!
Dass hoch lebe die Braut und der
Bräutigam! Alle geklengt nun! 
Alle mit voller Musik! dass nicht in der
bräutlichen Kammer
Hämisch ein Nachtgespenst sie beleidige,
oder Aschmodi!
Sprach, und winkte zur Seite dem
Bräutigam; dieser verstand ihn.
Aber da rings die Gläser mit hellem
Gecklich' an einander
 Klingelten, rings in den Klang wie Triumph
lautjauchzender Glückwunsch 
Tönte, da Geig und Trompete' und Horn
und der polternde Brummbass
Wild mit betäubendem Hall
einschmetterten: rasch in dem Aufruhr
Flog mit der Braut aus der Türe der
Bräutigam; lautes Gelächter
Schallte den fliehenden nach, und
Händeklatschen und Jubeln.

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Ende


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