2015-02-27

J.H.Voß: "Luise" Dritte Idylle: Der Brautabend (99)





 Stimme von Gott, wie Donner und Sturm,
und Gesäusel des Frühlings,
Und wie des Tiers vielredender Laut,
des gebietenden Löwen
Machtausruf in der Wüst, und des hoch
anschwebenden Adlers,
Oder das Muttergetön der freundlichen
Kuh und des Schafes,
Liebender Tauben Geseufze, und der Gluck'
anlockendes Schmeicheln.
Auch wie die Stimmen von Gott,
unwandelbar tönt sie und ewig, 
Allen Landen und Zeiten die selbige;
nicht wie des Putzes
Eigensinn, den wir gestern bewunderten,
morgen verabscheuen;
Oder die Aftermusik, die, der üppigen
Laune Gehorsam,
   Sinnlos prunkt und gaukelt, im
Kälbertanz und im Bockssprung.
Aber so laut das Gefühl in Stimm und
Tönen uns zuruft, 
Hallt es doch lauter ins Herz und
erschütternder, wenn des Gesanges
Wort einstimmt, die eigene vertrauliche
Sprache der Menschen.
Spielt mir denn jetzt ein Lied zur
Veränderung, etwa von Händel,
Reichardt, Gluck und Emanuel Bach, und
dem trefflichen Meister,
Unserem Schulz, dem Luther noch selbst
nachsänge an der Orgel. 
Singt mir: Ich danke Gott! und die
Waldserenat' und das Tischlied.
Also gebot der Vater; es folgten
willig die anderen.

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